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Archive for 22. Februar 2009

Gouverneur Arnold Schwarzennegger hatte in Kalifornien ein Gesetz erlassen, das den Verkauf von bestimmten Computerspielen stark einschränkte. Dieses Gesetz wurde von einem US-Bundesgericht jetzt gekippt. Der Grund dafür war, dass da Gericht dieses Gesetz als Einschränkung der Redefreiheit ansah. Mehr dazu erfährt man in Markus Pytliks Artikel auf WinFuture:

Gewaltspiele-Gesetz in den USA verfassungswidrig

Ein lustiger Aspekt dabei: In jungen Jahren hat der ehemalige Mr. Universum, Arnold Schwarzenegger, den Fantasy-Helden Conan in zwei Monumentalfilmen gespielt. Beide sind übrigens auch heute noch sehr sehenswert. Damit hat er diese Gestalt aber erst allgemein bekannt gemacht, denn der hyperborische Held und König ohne Thron, der ja bekanntlich das Geheimnis des Stahls sucht, war bis dahin eine mehr oder weniger nur Insidern bekannte Gestalt. Es fragt sich daher, ob das Online-Rollenspiel „Age of Conan“, dass genau die Kriterien des Gesetzes erfüllt, ohne die Schwarzenegger-Filme überhaupt entstanden wäre.

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Zur Zeit ist es in den Medien ja offenbar angesagt, immer mal wieder über die bitterbösen Folgen des Zockens am Compi zu lamentieren. Vor allem geht es da um MMORPGs und immer wieder ganz speziell um World of Warcraft. Job weg, Beziehung weg, soziale Kontakte weg, Realitätsverlust, gesundheitliche Schäden…  Sind das die unausweichlichen Folgen die dem ambitionierten Zocker blühen?

Auch der Blogger-Kollege vom Visual Reactor schreibt über den „Suchtmacher World of Warcraft“ und nennt dabei sogar handfeste Anhaltspunkte für ein Suchtpotential bei solchen Spielen:

Eine Sucht ist wissenschaftlich klar definiert und zwei der Faktoren, die sie ausmachen sind “zwanghaftes Verlangen nach Konsum” sowie “Übermaß und der Verlust der Möglichkeit, aufzuhören“. Entsprechend kann man sicher vom Suchtmacher World of Warcraft (WOW) sprechen.

Naja, das mag schon stimmen. Bloß: nach dieser Definition ist so ziemlich alles ein Suchtmittel was Spaß macht, denn alle Dinge, die uns erfreuen, können uns im Prinzip auch beherrschen.

Was haben Computerspiele mit anderen Leidenschaften...

Was haben Computerspiele mit anderen Leidenschaften...

Folgen der Leidenschaft…

Und was den Zeitbedarf und den Gruppenzwang angeht:  Man stelle sich einmal vor,  einer  spielt ernsthaft und in einer einigermaßen erfolgreichen Fußballmannschaft. Zwei- oder mehrmals die Woche abends Training,  sonntags die Spiele und montags oft krank wegen Verletzung. Wo bleiben da Beruf und Familie? Es haben auch schon Leute ihre Ehe mit der Jagd und sicher auch mit dem Angeln oder anderen Hobbies ruiniert. Da redet kein Mensch davon.
Fokkos Ultimativer Noob-Guide zu World of Warcraft: Hier klicken, mehr erfahren!
Auch mit der Arbeit seine Beziehung zu ruinieren ist offenbar kein Problem: Ich war mal bei einem Geschäftsfreund und der hatte neuerdings sein Bett in der Firma stehen. Seine Frau hatte ihn rausgeschmissen, weil er bloß noch bei der Arbeit war. Vor „workaholism“ wird in der Tat immer wieder mal gewarnt, aber nimmt das – außer mir 😉 – jemand wirklich ernst?

Und die Kids die nur noch WoW zocken? Ich garantiere:  Ohne WoW würden die vor der Glotze hocken oder schlimmeres anstellen. Weil es nämlich nicht an WoW liegt, sondern daran, dass viele Jugendliche ganz einfach nichts  gescheites mit sich anzufangen wissen. Und das liegt an den Eltern, der Schule und der Gesellschaft.  Genauso, wie es an diesen Dingen liegt, wenn sie saufen – und nicht an der Tatsache, dass es technisch möglich ist, Alkohol herzustellen.

Apropos Glotze: Vermutlich verplempern nicht gerade wenige  der Leute, die sich über „Computerspielsucht“ aufregen, den größten Teil ihrer Zeit vor dem Verblödungskasten. Das ist aber noch schlimmer, weil man dabei nicht nur körperlich, sondern auch geistig total passiv ist. Das Zocken fordert den Spieler wenigstens noch intellektuell, denn vor allem Rollenspiele sind meist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man in die Feinheiten von Ausrüstung und Fähigkeiten der Charaktere hineingeht, muss man nicht nur rechnen können, sondern auch in der Lage sein, komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu verstehen.

... wie der Jagd zu tun?

... wie der Jagd zu tun?

Tatsächliche Probleme

Wo ich dagegen tatsächlich Probleme sehe: Das Spielen am Computer ist zum einen ergonomisch das gleiche wie eine berufliche Tätigkeit an einem Bildschirmarbeitsplatz;  viele verbringen damit auch ähnlich viel Zeit wie im Geschäft. Klar also, dass man dabei Gefahr läuft, die gleichen gesundheitlichen Schwierigkeiten zu bekommen, die auch Bildschirmarbeitern blühen; zumal die häusliche Zockerecke von keiner Berufgenossenschaft auf Ergonomie überwacht wird. Fernsehen dürfte hier etwas besser wegkommen, denn vor der Glotze kann man sich bequem hinlümmeln und seine Position auch immer wieder verändern; man wird nicht wie bei der Bildschirmarbeit oder beim Spielen in eine bestimmte Haltung und zur ständigen Konzentration gezwungen.

Das andere Problem ist der Stress. Über Stress wird viel geredet, aber wenige wissen, dass Stress vor allem dann ensteht, wenn man den Eindruck hat, sich zu bewegen ohne dass man dabei selbst körperlich aktiv ist. Der Körper mobilisiert unter dem Eindruck der Bewegung Energiereserven, die dann nicht verbraucht werden, weil man sich ja nicht wirklich bewegt. Und genau dieser Effekt tritt eben bei Rollenspielen, Ego-Shootern und dergleichen auf; allerdings auch beim Fernsehen und nicht zuletzt beim Benutzen von Kraftfahrzeugen.

Meine Meinung ist daher: Computerspiele bergen in der Tat gewisse Risiken, was aber auch für viele andere technische Errungenschaften gilt. Im Grunde liegt das Problem darin, dass die Technik oft das natürliche Verhältnis zwischen (körperlichem) Aufwand und Erfolgserlebnis verzerrt; sprich: Erfolge werden unter Wert verkauft. Wer schon mit Bergbahnen auf vielen Gipfeln war, wird sich schwer tun, für ein solches Erlebnis auch einmal einen harten Aufstieg zu Fuß zu unternehmen. Das ist genau der gleiche Effekt, der auch wirkt, wenn man virtuelle Erfolge in einer Compuertwelt erringt; man kann dabei zu träge werden, etwas vergleichbares auch im realen Leben zu schaffen.

zille_trockenwohner_blog

Ganz einfach: Man kann ganz unten landen, wenn man sich davon beherrschen lässt....

Welche Sau treiben wir heute durchs Dorf?

Die Gefahren durch das Zocken am Compi werden jedoch maßlos aufgebauscht, wie das immer wieder mit bestimmten Dingen gemacht wird, die die veröffentlichte Meinung gerade am Wickel hat. In meiner Kindheit, in den 60ern waren es z.B. die Comics, die den Untergang der abendländischen Kultur verursachen sollten sowie die Wurzel allen Übels waren und kurz darauf mussten dafür die Hippies mit ihrem Haschisch und ihren Kommunen herhalten.  In jüngerer Zeit waren es die „Kampfhunde“ und der private Waffenbesitz, die angeblich so gefährlich sein sollten.

Es ist nämlich sehr einfach und verlockend, wenn man für gesellschaftliche Probleme einen bequemen Sündenbock finden kann, anstatt die Gründe in komplexeren Zusamenhängen oder gar beim eigenen Verhalten zu suchen. Das führt zwar zu nichts, aber man kann immerhin bequem wieder die Augen schließen und weiterträumen.

Was wirklich dahintersteckt, enthüllt die Zeit: Comics sind heute ein anerkanntes Medium und vermitteln sogar in Schulbüchern Wissen. Die Hippies wurden zum größten Teil zu spießigen Bildungsbürgern, manche sogar zu erfolgreichen Geschäftsleuten und Politikern, abgesehen davon, dass sie mit ihren Jutetaschen, ihrem Umweltschutzpapier und ihren Öko-Produkten letztendlich der Auslöser dafür waren, dass man sich mittlerweile ernsthafte Gedanken um unsere Umwelt und um gesunde Nahrung macht.  Und weder durchgeknallte Kampfhunde noch um sich schießende Waffen-Freaks haben die Bundesbürger ausgerottet.

Eine Rolle bei der Verteufelung von Computerspielen spielt natürlich auch, dass sie derzeit noch gewissermaßen pauschal als Schund angesehen werden. In 20 Jahren – oder sogar noch wesentlich früher – werden Computerspiele eine etablierte Kunstform sein, so wie das bei Comics schon heute der Fall ist. In der Tat ist nämlich so ein ausgewachsenes MMOPRG durchaus ein Gesamtkunstwerk und in künstlerischer und technischer Hinsicht mit einem Monumentalfilm oder einer großen Theaterinszenierung zu vergleichen.  Das muss man nämlich auch einmal sehen.

Fazit

Es gibt im übrigen viele schöne Dinge, die gefährlich sein können: Bier, Wein und Schnaps, Frauen und Motorräder, Skifahren, Gleitschirmfliegen… Und es gibt jede Menge Beckmesser und Sauertöpfe, die dagegen wettern und solche Sachen verbieten oder mit höheren Krankenkassenbeiträgen sanktionieren  möchten.  Das ist aber keine Lösung. Vielmehr  sollte man mit solchen Dingen ganz einfach verantwortungsvoll umgehen und sie ansonsten – genießen.

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