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Archive for Juni 2010

Es ist ja bekannt, dass ich mehr als skeptisch bin, wenn in einem Fantasy-Roman weder Zwerge noch Orks vorkommen. Ab und zu lese ich so etwas doch und bin dann auch hin und wieder sehr angenehm überrascht, wenn mir das jeweilige Buch dann doch gefällt. Es ging mir beispielsweise mit dem Mondwelten-Zyklus (aka Shadowmoon-Romane) so, aber auch mit „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss.

Der Name des Windes von Patrick Rotfuss

Ein neuer Name in der Liste der erstklassigen Fantasy-Autoren: Patrick Rothfuss hat mit "Der Name des Windes" gleich als Erstlingswerk einen hervorragenden Fantasy-Roman vorgelegt

Ein geheimnisvoller Wirt

Der noch ziemliche junge Mann, der seit einiger Zeit das Wirtshaus „Zum Wegstein“ übernommen hat ist ein geheimnisvoller Bursche. Genauso undurchsichtig ist auch sein Gehilfe und Freund, der offenbar sehr besorgt um ihn ist und ihm mit großer Treue anhängt. Nachdem es einen Angriff eines offenbar dämonischen, spinnenähnlichen Wesens auf ein Fuhrwerk gegeben hat, zieht der Wirt in den Wald und stellt sich den Monstern, die ihm wohlbekannt zu sein scheinen. Dabei stößt der Chronist zu ihm, der ihn offensichtlich gesucht und bis in den abgelegenen Winkel verfolgt hat, in dem sich der Wirt offenbar vor der Welt versteckt. Der Chronist wird im Kampf verletzt, der Wirt rettet ihn und nimmt ihn mit zu sich nach Hause.

Im Wirtshaus gibt der Chronist zu erkennen, dass er weiß, wer der Wirt ist: Kvothe der berühmte Magier – und er bittet ihn, ihm seine Geschichte zu erzählen, damit er sie aufschreiben kann. Nach anfänglicher Ablehnung lässt sich der Zauberer darauf ein und beginnt zu erzählen.

Ein Sohn fahrender Gaukler

Kvothe wird als Sohn des Anführers einer fahrenden Gaukler- und Kommodiantentruppe aus dem Volk der Edema Ruh geboren. Dieses Volk ist nicht nur für den hohen künstlerischen Anspruch seiner Darbietungen bekannt sondern auch beim Adel hoch angesehen und darf sogar bei Hofe spielen. So lernt Kvothe bereits in frühester Jugend unglaublich viel über Theater, Dichtung und Musik aber auch über Etikette und höfische Manieren. Bei seinen Eltern, beide große Künstler, die sich und ihr Kind zärtlich lieben und den anderen Mitgliedern des Trupps, die seine Familie sind, verlebt er eine glückliche Kindheit, obwohl ihn seine Eltern durchaus nicht die Realität des harten Lebens in der Welt verheimlichen.

Eines Tages schließt sich ein älterer fahrender Zauberer der Gauklertruppe an. Er lebt davon, mit seinen praktischen magischen Künsten und anderen wissenschaftlichen Kenntnissen alltägliche Probleme der Bevölkerung zu lösen und kann auch den Gauklern mit Dingen wie magischer Bühnenbeleuchtung und dergleichen behilflich sein. Kvothe, der fasziniert von Büchern, Wissen und Magie ist, freundet sich mit ihm an und geht bei ihm in die Lehre.

In Kvothe entsteht nun der Wunsch, an die Universität zu gehen und Magie zu studieren. An irgendeinem Ort bleibt der Zauberer hängen, weil er eine Witwe kennenlernt hat, mit der er den Rest seines Lebens verbringen möchte. Eine Weile darauf, Kvothe hat den Abschiedsschmerz noch nicht verwunden, kehrt er von einem Ausflug in den Wald zurück und findet den Lagerplatz verwüstet vor. Seine Eltern und die anderen Gaukler wurden von seltsamen, dämonischen Wesen, den Chandrian, ermordet, weil sie, „die falschen Lieder gesungen haben“.

Kvothe kann fliehen, ist zunächst vollkommen paralysiert vom Schock und lebt den Sommer über im Wald. Als es kalt wird, zieht er in die große Hafenstadt Tarbean, wo er als Straßenkind drei Jahre lang buchstäblich im Müll lebt. Doch er verliert seine beiden großen Ziele nicht aus den Augen: an die Universität zu gehen um Magier zu werden und herauszufinden, was es mit den Chandrian auf sich hat, um Vergeltung zu üben…

Ein faszinierendes Buch

Patrick Rothfuss, der mit 37 Jahren noch verhältnismäßig junge Autor aus Wisconsin hat einen außergewöhnlichen Fantasy-Roman geschrieben, der deutlich über das durchschnittliche Niveau des Genres hinausragt. Die Welt, in der er spielt, erinnert ein wenig an das Ambiente der amerikanischen Fantasy-Romane der 1930er Jahre. Allerdings ist er alles Andere als Trivialliteratur, was man ja von vielen Geschichten aus der damaligen Szene wiederum nicht behaupten kann.

Gleich am Anfang taucht man in die faszinierende Welt des Buches ein, lebt und leidet mit Kvothe, dem Gauklerkind, dem Straßenjungen und dem Studenten. Personen, Orte, Umstände und Geschehnisse werden in einer Weise beschrieben, dass man sich ohne weiteres in den Protagonisten hinein versetzen kann und schnell Sympathie für ihn fasst. Vielleicht kommt diese Lebendigkeit ja auch daher, dass Patrick Rothfuss hier ein Stück weit eigene Erlebnisse verarbeitet, denn auch er hatte, wie Kvothe, gewisse Probleme an der Universität.

„Der Name des Windes“ ist in Buch, in dem man sich schon sehr bald wohl fühlt. Über 800 Seiten sind viel für einen Roman, aber bei Patrick Rothfuss‘ Buch hätte man gerne noch mehr: Man ist bald ein wenig traurig, weil die noch ungelesenen Seiten so schnell immer weniger werden, muss aber immer weiter lesen, denn die Spannung reißt nie ab. In der Tat gibt es nur wenige Fantasy-Romane, die an „Der Name des Windes“ heranreichen. Wenn auch die Hintergrundwelt der Geschichte lange nicht so ausgefeilt ist wie Tolkiens Mittelerde, kann man „Der Name des Windes“ durchaus vom literarischen Anspruch her mit „Der Herr der Ringe“ vergleichen, obwohl es ganz  anders ist: Es liest sich vor allem wesentlich flüssiger als die Ring-Romane, die in ihrer epischen Breite stark an die Langatmigkeit und Ausführlichkeit nordischer Sagas erinnern. „Der Name des Windes“ ist hingegen locker geschrieben ohne schnoddrig zu sein, gut lesbar, ohne ins Triviale abzugleiten, ohne dass es, wie leider auch noch heute viele Fantasy-Stories, zum besseren Schundroman herabsinkt. Außerdem ist „Der Name des Windes“ von hoher Originalität, ein eigenständiges Buch, das in einer eigenständigen Welt spielt. Ein wirklich rundum gelungenes Werk!

Wenn auch die Grundgeschichte – Von bösen Zauberern zum bemitleidenswerten Waisenkind gemachter Junge wird erfolgreicher Zauberer, will den Tod seiner Eltern rächen und das Böse ausmerzen – bei genauem Hinsehen dem Plot von „Harry Potter“ gleicht, liegen Welten zwischen den Geschichten der beiden Zauberlehrlinge, ganz abgesehen davon, dass „Der Name des Windes“ ganz einfach besser ist. Den Deutschen Phantastik-Preis 2009, den Patrick Rothfuss in der Kategorie „Bester internationaler Roman“ mit „Der Name des Windes“ gewonnen hat, hat er sich redlich verdient. Ein Buch, dass nicht nur eingefleischte Fabntasy-Fans lesen sollten, sondern jeder, der eine spannende, lebendig erzählte Geschichte zu schätzen weiß, in die man so richtig eintauchen kann.

Wie es mit Kvothe wohl weitergehen wird?

Leider ist mit „Der Name des Windes“ erst der erste Band der Königsmörder-Trilogie erschienen. Auf die weiteren Bände werden wir noch warten müssen: Die englische Originalfassung des zweiten Bandes „The Wise Man’s Fear“ soll laut der englischsprachigen Wikipedia für den März des kommenden Jahres angekündigt worden sein, auf die deutsche Übersetzung werden wir dann noch etwas länger warten müssen. Vom dritten Band ist bisher nicht mehr als ein englischer Arbeitstitel bekannt: „The Doors of Stone“. Ein kleiner Trost: Wenn die ganze Geschichte so gut bleibt wie der erste Band, wird sich das Warten auf die Fortsetzungen schlussendlich aber gelohnt haben…

Patrick Rothfuss
Der Name des Windes
Hobbit Presse Klett-Cotta
2008 ISBN-10: 360893815X
ISBN-13: 978-3608938159

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Natürlich kennt auf Azeroth jeder Hemed Nesingwary den großen Zwergenjäger. Aber was hat es auf sich mit diesem Burschen, warum kommt einem sein Name so seltsam bekannt vor?

Bei Deutschen wird das vielleicht nicht so oft der Fall sein wie bei Amerikanerrn, die WoW spielen, aber mir persönlich ging es so: Ich stutzte über den Namen des zwergischen Jägers Hemed Nesingwary, weil er mich an irgendwas erinnerte. Spätestens, wenn man dann auch noch auf die Quest mit dem Buch „Die Grünen Hügel des Schlingendorntals“ stößt sollte es klingeln: Der Name Hemed Nesingwary schreit ja geradezu danach, ein wenig geschüttelt zu werden und wenn man das tut findet man auch schnell des Rätsels Lösung: Natürlich handelt es sich um eine Anspielung auf Ernest Hemingway und die Quest deutet auf sein Buch „Die Grünen Hügel von Afrika“.

In angesächsischen Sprachraum, zumindest in Amerika, ist Ernst Hemingway wohl um einiges bekannter als bei uns und ich denke einmal, dass dort bei mehr Leuten klingelt und auch die zweite Anspielung auf Ernest Hemingway öfter verstanden wird: Der Angelgerätehändler Old Man Heming in Beutebucht, der auf Hemingways vielleicht bekanntestes Werk, die Novelle „Der Alte Mann und das Meer“ anspielt.

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Vom 15. – 18. Juli 2010 findet in Bad Hersfeld der Tolkien Thing der Deutschen Tolkien Gesellschaft (DTG) statt. Es gibt eine Menge Vorträge und Workshops zu Mittelerde-Themen und auch über John Ronald Reuel Tolkiens Persönlichkeit.

Dabei ist das ganze nicht nur etwas für Theoretiker und Stubenhocker: Im Rahmen der Veranstaltung geht es auch mal nach draußen, denn es sind eine Bootsfahrtauf dem Anduin, Reiten mit den Glockenreitern und eine Stadtführung durch Bad Hersfeld angesagt. Außerdem gibt es neben den ganzen Informationen über die Geschichte und Kulturen Mittelerdes auch ein Workshop über Sockenstricken und Anregungen, wie man sich Mittelerde als Rollenspieler nähern kann.

Das vorläufige Programm findet sich auf den Seiten der DTG. Es lohnt sich, öfter einmal vorbei zu schauen, denn es sollen noch weitere Programmpunkte hinzukommen.

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