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Posts Tagged ‘Goblin’

In den WoW-Foren wurde das Thema Casino in „World of Warcraft“ bereits mindestens dreimal angesprochen. Tatsächlich hat dieser Gedanke etwas und vielleicht greift Blizzard ihn ja tatsächlich einmal auf, denn schließlich müssen die WOW-Macher sich ja auch immer wieder einmal etwas Neues einfallen lassen, um die Gamer bei der Stange zu halten.

Technisch wäre ein WoW-Casino sicherlich kein Problem: Das Auktionshaus funktioniert ja ganz ähnlich wie eBay und ein WoW-Casino könnte sich analog dazu an Online Casinos anlehnen, wie es sie im Netz ja vielerorts gibt. Wie aber würde ein Casino zu World of Warcraft passen?

Ob der wackere Zwerg Ommo wohl der Spielsucht verfallen würde, wenn es auf Azeroth Casinos gäbe?

(Gesellschaftliches) Leben auf Azeroth

Azeroth ist ja keine reine Kampfbahn, sondern eine virtuelle Welt, die auch Dinge enthält, die nicht direkt mit Krieg und Kampf zu tun haben: Barbiere, Auktionshaus, Händler, Gasthäuser… Sachen also, die bewirken, dass World of Warcraft nicht nur ein reines Spiel ist, sondern auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Online-Welten in der Art von Second Life hat. Neben der Jagd auf Erfahrung, Ehre und hochwertige Ausrüstung kann man sich in World of Warcraft ja durchaus auch einmal einfach nur ein wenig die Zeit vertreiben, gewissermaßen das Privatleben seines Chars spielen: Azeroth und die Scherbenwelt bereisen, um die Landschaften zu bewundern und wenig bekannte Orte zu entdecken, mit anderen Spielern chatten, flanieren, sehen und gesehen werden – wozu hat man sich schließlich im Schweiße seines Angesichtes das tolle Gear verdient?

Kurz und gut: Sicher möchte mancher in WoW auch dann und wann einmal reich und schön sein. Wozu gäbe es sonst Dinge wie den Smoking und das reizende lila Kleid? Und zur Unterhaltung für die Reichen und Schönen gehört ja unter anderem auch ein Casino, oder nicht?

Und die minderjährigen Spieler?

Als Bedenken wurde im Forum angemeldet, dass Glücksspiel ja erst ab 18 erlaubt sei, World of Warcraft aber auch von Minderjährigen gespielt wird. Das ist aber kein Problem: In einem WoW-Casino würde natürlich nur um WoW-Kupfer, -Silber und -Gold gespielt, nicht jedoch um echtes Geld. In Second Life wurden die Glückspiele zwar verboten, was aber daran liegt, dass man die Linden-Dollars in echtes Geld tauschen kann und umgekehrt, Second-Life-Geld daher genau genommen echtes Geld ist.

Da dies bei einem WoW-Casino nicht der Fall wäre, müsste dieses noch nicht einmal Gewinne machen wie das bei Casinos der Fall ist, in denen um echte Knete gespielt wird. Es könnte durchaus auch so sein, dass im WoW-Casino mehr gewonnen als verloren wird. Daher wäre so ein Casino auch ein brauchbares Instrument um Casual Gamer ein wenig besser mit Geld zu versorgen oder sogar bei Bedarf die Geldmenge im Wirtschaftskreislauf eines Servers zu erhöhen. Auch virtuelle Sachpreise wie Ausrüstungsteile oder elegante Kleidung wären möglich.

Wer soll die WoW-Casinos betreiben?

Bei der online-gerechten Gestaltung der Spiele müssten die Leute von Blizzard ja noch nicht einmal das Rad neu erfinden: Sie könnten sich ohne weiteres an die Casino Regeln für „richtige“ Online Casinos anlehnen, genauso wie bei der Technik auch.

Bleibt die Frage: Wer soll die WoW-Casinos betreiben? Bei der Horde ist das sicher keine Frage: Natürlich die Goblins, die ja überall, wo es Geld zu verdienen gibt, ihre grünen Wurstfinger drin haben. Schwieriger wäre es bei der Allianz, da hier die eher biederen Völker zu finden sind. Am ehesten würde ein Casino wohl noch zu den Zwergen passen, die ja bekanntlich dem Geldverdienen auch keineswegs abgeneigt sind. Genausogut könnten Casinos aber auch in neutralen Goblinstädten angesiedelt sein: Wie wäre es mit Gadgetzan, das ja seit dem Kataklysmus am Meer liegt? Da wäre es doch durchaus denkbar, dass diese Stadt bei den Reichen und Schönen von Azeroth auf einmal sehr angesagt ist und die schlauen Goblins eine Strandpromenade bauen, mit schicken Läden, Gasthäusern, einem Barbier – und eben auch einem Casino…

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… und schon wieder ein Bild – und wieder ein Szene aus dem „Dolch des Schamanen„: Der böse Hexenmeister Abbrax Lichtputzer tobt fürchterlich, weil der Goblin Korx Sordid die Sache mit dem Dolch versiebt hat, den er dem Troll-Schamanen Urkan abnehmen sollte und den stattdessen jetzt Ommo Drahtbart hat. 

Goblin wird von Hexenmeister in dessen Arbeitszimmer angebrüllt. Im Hintergrund Bücherregal, Retorte, Erlenmeyer-Kolben, Reagenzgläser, ein menschlicher Kopf in Spiritus, Modelle einer Guillotine und Modell einer Garotte

Abbrax Lichtputzer ist fürchterlich wütend... (Klick ins Bild für höhere Auflösung)

Die Figuren sind wie üblich mit dem DAZ-Studio gestaltet. Das Haus , indem sich das Zimmer befindet, habe ich in einem 3D-CAD-Programm konstruiert, über VRML in Blender gebracht um es mit verschiedenen Materialien zu versehen und in ein Wavefront-Object zu verwandeln, damit ich es ins DAZ Studio importieren konnte. Die Gegenstände der Einrichtung von Lichtputzers außerordentlich heimeligem Arbeitszimmer sind zum Teil im Netz gefundene, kostenlose Modelle, zum Teil in Blender gebaut. Auch das durch die Fenster sichtbare Nachbarhaus ist ein Modell, das ich im Netz gefunden habe.

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Während der Arbeit an meinem Roman „Der Dolch des Schamanen“ hat sich natürlich auch dessen Hintergrundwelt Endom weiterentwickelt. Der Abschluss der Geschichte war für mich eine gute Gelegenheit, einmal wieder den neusten Stand des Wissens über West-Norsileum, den Finsterwald und was sonst noch alles dazugehört upzuloaden.

Ommo Drahtbart und sein Freunde erleben auf ihrer Jagd nach dem Geheimnis des Marmorstahls allerhand und da kommen halt auch einige Kurzauftritte von Personen vor, die keine große Rolle spielen, aber dennoch definiert werden müssen. Damit es da später keine Verwechslungen gibt, müssen zumindest die Namen festgehalten werden und auch, als was sie in der Geschichte vorkommen, ob es sich zum Beispiel um einen Gastwirt handelt, oder jemanden, der kurz mal verdroschen wird.

Orkfrau, Orkmädchen mit langen Haaren und ausgeprägten Fangzähnen

Das bisher namenlose Orkmädchen, das ich vor einiger Zeit hier vorgestellt habe, hat jetzt einen Namen: Billa. Sie hat im "Dolch" eine kurze, aber heftige Affäre mit Lampo

Aber auch der eine oder andere geographische Ort ist dazugekommen. Zum Beispiel weiß man jetzt auch, wo Loudin Artinny herstammt: Aus Dun Caldis einer Elfenstadt am Shannon, einem Fluss im äußersten Nordwesten des Finsterwaldes. Außerdem spielt ein elfischer Kapitän eine kleine Rolle in der Geschichte, der ebenfalls von dort stammt. Dun Caldis bestand bereits bevor die Zwerge aus Dvergrvirki den südlichen Finsterwald besiedelten, weil die Elfen aus dem Mündungsgebiet des Shannon Holz für den Schiffbau holten.

Ein bisschen etwas hat sich auch in Accitanien getan, dort kam außer der Hauptstadt Lutete vor allem noch eine Elfenstadt hinzu, in der die berühmten elfischen Klipper und andere erstklassige Elfenschiffe gebaut werden. Unabhängig vom „Dolch des Schmanen“  habe ich auch Caldonia un Angolia ein klein wenig weiter entwickelt. Angolia – die Gelehrten streiten sich, ob die Insel, auf der dieses und das Land Caldonia liegen, eigentlich zu Norsileum gehört – hat jetzt zum Beispiel eine Hauptstadt namens Thundora bekommen.

Zeit also, die Website über Endom wieder einmal upzudaten. Seit gestern findet man die neuen Informationen unter http://selbstversorger.cwsurf.de/endom

Leider bin ich ja noch nicht dazu gekommen, der Seite mal ein anständiges Design zu verpassen. Aber ich hoffe, dass ich das auch irgendwann mal raffe. vor allem, wo doch das Thema grafisch soviel hergibt…

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Gestern abend wurde als letztes der Epilog zu dem voraussichtlich ca. 380 Seiten starken ersten Band des Zwergenstahl-Zyklus „Der Dolch des Schamanen“ fertig. Damit habe ich die Rohfassung des Manuskriptes meines ersten Fantasy-Romans komplett geschrieben: Ein Prolog, 29 Kapitel und ein Epilog.

Ommos Freund Lampo, der Paladin und junge Graf von Garbenschwang, ist natürlich auch mit dabei. (Klick ins Bild für eine Version mit höherer Auflösung)

Erzählt wird im ersten Teil der großen Geschichte um das Geheimnis des Marmorstahls, jenes legendären Stahls der sagenhaften Nordlandzwerge, wie Ommo in das Abenteuer gerät, wie als fünftes Mitglied der Abenteurergruppe der Elf Loudin Artinny zu Ommo, Lampo, Shirk’ra und Dor’krom stößt und wie sie eine wichtige Teilaufgabe ihrer Queste lösen, indem sie sich Informationen über die Lage des sagenhaften, verschollenen Reiches der Nordlandzwerge verschaffen. Das ist natürlich nicht einfach und daher führt ihr Weg die Freunde nicht nur in den hintersten Finsterwald, in das bunte Treiben des großen Marktes anlässlich des Irk’nari-Festes beim Irk’nari-Heiligtum  am Zusammenfluss des Ogertod-Flusses und des Bärenfelsflusses und zum Turm von Ursia bei Kühlmühl, sondern auch in die gefährliche, verderbte Großstadt Iserndam mit ihren Slums, Verbrechern und Kaschemmen. Dabei lernt der Leser einen großen Teil von West-Norsileum kennen, den Teil von Endom, über den bisher am meisten bekannt ist. Mehr über den Plot steht übrigens in dem Posting „Aus meiner Schreibwerkstatt„, in dem ich vor nunmehr über einem Jahr den Beginn der eigentlichen Schreibart mitgeteilt habe.

Nachdem das Rohmanuskript jetzt fertig ist, muss ich es noch einmal durchsehen und hier und da ein wenig Feinarbeit vornehmen. So langsam werde ich mich auch um die Vermarktung kümmern müssen. Ursprünglich habe ich geplant, den „Dolch des Schamanen“ als eBook herauszubringen, was auch geschehen wird, wenn alle Stricke reißen. Mittlerweile habe ich mir aber überlegt, dass ich vorher ja ruhig probieren kann, das Buch bei einem „richtigen“ Verlag unterzubringen. Die Chancen stehen zwar nicht so besonders, aber bekanntlich geht Probieren ja über Studieren. Die Veröfffentlichung als Book on Demand habe ich ebenfalls angedacht, aber vermutlich wird dann der Einzelverkaufspreis zu hoch.

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Manche Arten von Witzen sind so penetrant, dass es sie vermutlich auf jeder einzelnen Welt im ganzen Multiversum gibt. Dazu gehört sicherlich jene Kategorie von Witzen, die sich mit dem Personalbedarf für das Auswechseln von Leuchtmitteln in Bezug auf die Personengruppe befasst, aus der man das Personal hierfür rekrutiert. Dabei variiert selbstverständlich das Leuchtmittel je nach dem technischen Entwicklungsstand der jeweiligen Welt, während die Grundaussagen der Witze die lokal populären Vorurteile gegen bestimmte Schichten und Personengruppen widerspiegeln.

Und wie bitte wechselt zwerg hier den Docht aus?


Während es sich in Welten, die technisch weiter entwickelt sind als es die unsere ist, um Haushalts-Kernfusionsbrenner oder ähnliche hoch entwickelte Leuchtkörper handeln mag, sind es bei uns derzeit noch die Glühbirnen, um deren Auswechseln sich diese Art von Witzen dreht. Es ist jedoch anzunehmen, dass bei uns, nach dem die gute alte Glühbirne ja jetzt gerade schrittweise verboten wird, die Glühbirnen-Witze ebenfalls verschwinden werden. Unsere intellektuelle Elite, die Berufsbetroffenen und Bedenkenträger werden sie für politisch unkorrekt erklären und festlegen, dass sich derjenige, der sie erzählt, umweltfeindlich verhält und sich als unverbesserlicher Klimakatastrophen-Leugner outet und sich damit selbst ins gesellschaftliche Abseits stellt, weil Glühbirnenwitze erzählen keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist.

Andere Welten, wie beispielsweise Endom, sind aber noch weit von einem Glühlampenverbot entfernt, weil Glühlampen dort noch recht unbekannt oder noch nicht einmal von Gnomen erfunden worden sind. Da es in diesen Welten in aller Regel auch noch keine klimafreundlichen Ersatzprodukte für Lampendochte gibt, stehen dort die Lampendocht-Witze allemal noch hoch im Kurs.

Ein paar Kostproben von Lampendocht-Witzen aus Endom und zwar jeweils in der westnorsileischen Version, entnommen aus Ommo Drahtbarts unerschöpflichen zwergischen Witzekiste:

Wieviel Gnome braucht man, um einen Lampendocht auszuwechseln?

Zwölf: Zwei untersuchen Funktionsweise und Schwachstellen des Lampendochts, zehn entwickeln alternative Leuchtmittel, wobei neun davon dabei durch Unfälle getötet werden und der zehnte mit guter Wahrscheinlichkeit tatsächlich einen Ersatz liefern wird, der eine gewisse Zeit funktioniert, ohne zu explodieren.

Wieviele Orks braucht man, um einen Lampendocht auszuwechseln?

Zwei: Einer hält die Stellung und der andere geht eine neue Lampe stehlen.

Wieviel Zwerge braucht man, um einen Lampendocht auszuwechseln?

Einundzwanzig und zwar zwanzig männliche Exemplare und eine Zwergin: Die Zwergin wechselt den Lampendocht aus, während die zwanzig Zwerge dabei sitzen, Bier trinken und epische Geschichten vom Lampendocht auswechseln erzählen.

Wieviele Elfen braucht man, um einen Lampendocht auszuwechseln?

Etwa zehn bis zwölf: Die wechseln den Lampendocht zwar nicht aus, entwickeln jedoch in einer Diskussion strategische Ansätze zur adäquaten Herangehensweise an den intellektuellen Umgang mit der Dunkelheit.

Wieviel Goblins braucht man, um einen Lampendocht auszuwechseln?

Zwei: Der eine geht einen neuen Docht stehlen, während der andere mit der Lampe abhaut.

Wieviel Oger braucht man, um einen Lampendocht auszuwechseln?

Gar keinen. Da Oger nicht besonders helle sind, brachten sie ihre Lampe zu zwei Goblins, baten sie, den Lampendocht auszuwechseln und hatten damit das Problem dauerhaft gelöst.

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Update 02.05. 10: Diese Story gibt es jetzt auch zum Anhören

Als die schwarze Katze plötzlich ruckartig stehen blieb, zügelte Ommo Drahtbart das stämmige, struppige Pony und runzelte die Stirn über dem mächtigen Gesichtserker. Er kniff die Augen zusammen und spähte nach vorn, hin zu der Wegbiegung, die verbarg, was es im weiteren Verlauf der Straße sonst zu sehen gegeben hätte. Und es musste dort etwas los sein, denn, wie er mit einem Seitenblick feststellte, spitzte Grisnira ihre Ohren eben in diese Richtung.

Für einen kurzen Augenblick drehte der Wind und trug Laute heran, die jetzt auch Ommo vernahm. Er glaubte, das Krächzen von Goblins erkannt zu haben. Jetzt wendete die Katze ihren rabenschwarzen Kopf zu dem Zwerg auf dem Pony und sah ihn mit ihren grünen Augen an. Dieser erwiderte den Blick, nickte unmerklich und glitt aus dem Sattel.

Lautes Wetter

Der Wald stand wie überzuckert von Reif und einer dünnen Schneedecke und noch immer rieselte etwas Schnee aus dem graunebligen Nachmittagshimmel. Ommo führte sein Pony ein Stück unter die Bäume ins Unterholz und band es an einem starken Ast fest. Dann schlich er mit der Katze parallel zur Straße durch den Wald in Richtung der Biegung. Das war schwierig genug, denn es herrschte, was Ommo und die anderen Jäger „lautes Wetter“ nannten: Laub und abgestorbene Reiser auf dem Boden waren gefroren und knackten, Zweige knisterten, wenn man daran vorbei streifte, Schnee und Reif rieselten herunter.

Trotzdem bewegte sich die Katze geräuschlos durch den dichten Bewuchs und Ommo tat es ihr nach so gut er konnte. Jeder der zwar schon Zwerge, aber noch nie einen zwergischen Jäger auf der Jagd gesehen hatte, wäre erstaunt gewesen,wie leise die sonst lautstark trampelnden und grummelnden Burschen sich bewegen konnten, wenn es sein musste. Trotzdem kamen sie nur langsam voran, denn selbst der geschickteste Zwergenjäger kann nicht so schleichen, wie ein Elf und schon gar nicht so wie eine Katze.

Endlich war ein Punkt erreicht, von dem aus Ommo den Bereich hinter der Straßenbiegung einsehen konnte: Ein mächtiger Baum war quer über die Straße gefallen und versperrte einem großen Wohnwagen den Weg, vor den zwei Maultiere gespannt waren. Auf der Ommo zugewandten Seite des Gespanns bedrohten zwei Goblins ein Orkmädchen. Der eine hatte ein rostiges Schwert, der andere eine kurze Lanze, die wohl auch schon bessere Tage gesehen hatte.

Ommo verkniff es sich, durch die Zähne zu pfeifen. Er taxierte die Lage und machte sich schnell einen Plan. Die beiden Goblins waren schon so gut wie tot. Ommo strich sein Gewehr an einem Baum an, sah zu Grisnira und nickte mit dem Kopf in Richtung desjenigen der beiden Goblins, der von ihnen aus gesehen rechts stand. In den klaren, grünen Katzenaugen las er, dass sie ganz genau verstanden hatte, was ihr bester Freund von ihr wollte.

Pech!

Ommo visierte sorgfältig den Kopf des linken der zwei Goblins an. Beide hatten, obwohl sie es nicht wussten, nur noch Sekunden zu leben. Auf ein leises „Pack ihn!“ von Ommo würde die Katze ihren Gegner, nein, ihr Opfer mit wenigen, lautlosen Sprüngen erreichen und ihn mit einem Genickbiss blitzschnell töten, während eine Kugel aus Ommos Büchse den Schädel des anderen Goblin platzen ließe…

So plante es Ommo. Doch dann konnte er nur mühsam einen seiner ausgesucht obszönen, ellenlangen zwergischen Flüche unterdrücken. Um den Wagen herum war ein weiterer Goblin aufgetaucht, dann noch einer und noch einer. Das war Ommo zu riskant…

Nicht dass Ommo nur einen Moment den leisesten Zweifel gehabt hätte, dass Grisnira und er mit fünf verkommenen, stinkenden Goblins fertig geworden wären. Das war kein Thema. Aber die beiden konnten eben nur zwei Gegner gleichzeitig ausschalten und die restlichen, absolut unberechenbaren Goblins hätten das Orkmädchen töten oder als Geisel nehmen können.

Also setzte Ommo die Waffe ab und Grisnira entspannte sich. Sie zogen sich lautlos ein Stück tiefer in den Wald zurück, so das sie noch weiter beobachten konnten, ohne zu riskieren entdeckt zu werden. Der Jäger verstand soviel von der üblen, krächzenden Goblinsprache, dass er mitbekam um was es ging: der Wagen des Orkmädchens enthielt so viel und so schwere wertvolle Ware, dass sie ihn im ganzen mitnehmen mussten, da sie sonst ihre Beute nicht hätten abtransportieren können. Außerdem wollten sie das Mädchen als Sklavin verkaufen, es bestand also keine direkte Lebensgefahr für sie.

Abwarten und Bier trinken

Wie es aussah, sollt es dabei in die Richtung gehen, in die sowohl Ommo, als auch das Orkmädchen unterwegs gewesen waren´ denn die Goblins machten sich mit viel Gezeter widerwillig daran, den Baum fort zu räumen. Jetzt wusste Ommo genug. Vorsichtig schlichen er und seine Katze außer Hörweite und kehrten dann zügig zum Pony zurück.

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Auf der Straße näherte sich Ommo nun der Biegung wieder soweit, dass er einigermaßen deutlich hören konnte, was dahinter vorging. Dann schlug er sich erneut in den Wald und fand auf einer kleinen Lichtung im Unterholz auch gleich einem geeigneten Platz zum Warten.

Nachdem er das Pony wieder angebunden und ihm den Futtersack umgehängt hatte, warf er ein Bärenfell auf den Boden. Aus den geräumigen Satteltaschen kramte er seinen Schnappsack. Ganz innen in der Satteltasche, direkt am Körper des Pferdes hatte er auch einige Flaschen Zwergenbier verstaut, wo sie die Körperwärme des Tieres davor bewahrte, einzufrieren.

Anschließend machte er es sich auf dem Bärenfell bequem, zückte sein Messer und entnahm dem Sack hartgeräucherte zwergische Wurst, Speck, scharfen Zwergenkäse und knusperiges Brot. Dazu trank er Bier und vergaß auch nicht, Grisnira, die sich behaglich an ihn geschmiegt hatte den einen oder anderen Brocken zukommen zu lassen.

Anschließend rülpste er unterdrückt, nestelte Pfeife und Tabaksbeutel hervor und begann zu rauchen. Als die Pfeife fast ausgebrannt war, hörte er, dass die Goblins das Hindernis wohl aus dem Weg geräumt hatten und sich mit viel Gezeter in Marsch setzten. Um sie zunächst einmal außer Sichtweite gelangen zu lassen, rauchte er fertig, klopfte sein Pfeife aus und packte sich in aller Ruhe zusammen.

Es geht weiter…

Kurz darauf tauchte das Dreigespann wieder auf der Straße auf, Ommo bestieg sein Pony und sie nahmen die Verfolgung auf. Hinter der Straßenbiegung begannen auch tatsächlich die Wagenspuren und die Goblins waren bereits außer Sicht. Auch ohne die Spuren, die sich in der dünnen Schneedecke abzeichneten, wäre die Verfolgung kein Problem gewesen: Zwar war Grisniras Katzennase lange nicht so fein wie die eines Hundes oder Wolfes, doch für die Verfolgung einer frischen Fährte reichte sie allemal aus. Zumal, wenn es sich um Goblins handelte, die so ekelhaft stanken, dass Ommo fast meinte, selbst er könne den Geruch noch wahrnehmen.

Noch einmal hatte Ommo kurz gewartet, um den Vorsprung der Goblins größer werden zu lassen, denn wie er wusste, war das letzte Stück der Straße vor dem Waldrand schnurgerade und er wollte außer Sicht bleiben. Es war nun schon fast dunkel und der Waldrand lag bereits ein gutes Stück hinter ihnen, als die Spur in einen Feldweg abbog.

Ommo glitt aus dem Sattel und schlich, das Pony am Zügel führend, den Weg entlang, Grisnira immer an seiner Seite. Es ging eine sanfte Bodenwelle hinauf und kurz vor der Kuppe ließ der Zwerg das Pony stehen und schlich mit der Katze weiter bis er über die Kante spähen konnte.

„Dachte ich es mir doch“, brummte er halb zu sich selbst, halb zur Katze, „natürlich stecken sie in Frelsings Baude“. Vor dem verlassenen Bauernhaus stand der Wagen des Orkmädchens und das eine Fenster, dass er von seinem Standpunkt aus sehen konnte, leuchtete rötlich. Nicht einmal die Maultiere hatte das verkommene Gezücht ausgespannt. Ommo schlich zu seinem Pony zurück, führte es zu einem Gebüsch etwas abseits des Weges und versteckte es so gut es ging. Dann löste er seine Axt vom Sattel. Das Gewehr ließ er an seinem Platz und nahm stattdessen die stabile, uralte Zwergenarmbrust mit, die schon Generationen von Drahtbärten hervorragende Dienste geleistet hatte. Diesmal würde es auf leises Töten ankommen, da war die Armbrust, so antiquiert die Technik auch war, ganz einfach die allererste Wahl.

Ommo und Grisnira umschlugen das Gehöft in einem großen Bogen und näherten sich ihm gegen den schneidenden Wind von Westen her. Auf dieser Seite des Gebäudes befand sich ein dichter Gehölzstreifen, der das Gehöft gegen den Wetterwinkel hin schützen sollte Durch diesen näherten sich ihm jetzt der Zwerg und seine Katze.

Aus dem Gehölz heraus konnte Ommo den Hof südlich des Gebäudes überblicken. Dort standen zwei Goblins herum, offenbar auf Wache. Die Armbrust war bereits gespannt. Zum zweiten Mal an diesem Tage machte der Zwerg eine Kopfbewegung in Richtung des einen Goblins und wieder signalisiert ihm die Katze mit ihren Augen, dass sie verstanden hatte.

Und diesmal passte es: Der eine Goblin wurde von 200 Pfund stahlharten Katzenmuskeln umgeworfen; sein Genick war durchgebissen ehe er noch auf dem Boden aufschlug. Gleichzeitig machte es „Twäng“, ein kurzes Sirren ertönte und dann gab es ein dumpfes, matschiges Geräusch, als der stählern Bolzen der Armbrust Schädelknochen und Gehirn des anderen Goblins durchschlug. Auch er fiel zu Boden, ohne auch nur noch einen Laut von sich zu geben.

Die Katze war schon wieder zum grimmig grinsenden Zwerg zurückgekehrt, der sie zwischen den Ohren kraulte, sich hin hockte, sie an sich drückte und ihr Freundlichkeiten zuflüsterte, die niemand einem Zwerg – und insbesondere nicht Ommo Drahtbart – zugetraut hätte. Zwerg und Katze schlichen jetzt zum Fenster und der Zwerg spähte hinein. Im Kamin der Baude prasselte ein Feuer, die drei übrigen Goblins saßen am Tisch und zechten, während das Orkmädchen auf einen Stuhl gefesselt war.

Ein kleines, aber tödliches Geschäft

Als die beiden wieder zum Gebüsch zurückgekehrt waren, war auch Ommos weiterer Plan fertig: „Kein Risiko. Irgendwann muss einer von den dreien pissen. Und garantiert wird die Drecksau nicht den Abort auf der Rückseite aussuchen, sondern sein Geschäft mitten auf dem Hof machen,“ murmelte Ommo, worauf ihn die Katze in einer Weise ansah, dass er wieder einmal geschworen hätte, dass sie jedes einzelne seiner Worte verstehen konnte. Böse Zungen behaupteten später übrigens, dass Ommo mit seiner Einschätzung der Uriniergwohnheiten seiner Gegner lediglich von sich auf diese geschlossen hätte.

Ommo spannte seine Armbrust wieder. Er wartete, während sich die Katze vertraulich an seinen Oberschenkel drückte. Ob er nun von sich auf andere geschlossen hatte oder auch nicht, er lag jedenfalls richtig. Es dauerte nämlich nicht lange, da torkelte ein Goblin aus der Tür. Der Idiot war tatsächlich so besoffen, dass ihm das Fehlen der zwei Wachen erst gar nicht auffiel. Ommo wartete noch ein wenig, bis er das Plätschern eines kräftigen Urinstrahls hörte und drückte dann ab.

Auch dieser Goblin fiel praktisch geräuschlos um und war tot bevor er, noch mit seinem Schwengel – oder was immer Goblins anstelle eines solchen haben mochten – in der Hand auf dem Boden aufschlug. Wiederum grinste der Zwerg grimmig in den dichten, roten Bart unter seiner mächtigen Nase hinein.

Zugriff!

Aber jetzt ging es um die Wurst; wenn er zögerte, könnte den verbleibenden Goblins das Ausbleiben ihres Kameraden auffallen. Er lehnte die Armbrust an einen Baum und griff zur Axt. So schnell er konnte, schlich er zur Tür, die nur angelehnt war, die Katze immer an seiner Seite. Drinnen hörte er die zwei verbliebenen Goblins krächzen. Dann ging alles sehr schnell. Ommo stieß die Tür auf und stürmte in die Stube und auf den rechten der beiden Burschen zu. Die Katze machte einen Satz quer durch den Raum, so dass sie zwischen dem Orkmädchen und dem linken Goblin landete, drehte sich blitzschnell um, sprang ihn an und zerfetzte seine Kehle.

Währenddessen schaffte es der rechte Goblin – vielleicht war er ja nicht gar so betrunken – noch, aufzuspringen und mit der Hand zum Schwertgriff zu fahren. Doch während noch sein Stuhl nach hinten polterte, fuhr auch schon die zweihändige Zwergenaxt auf ihn nieder, spaltete seinen hässlichen Schädel in der Mitte und fuhr bis tief in den Brustkorb.

Ommo stemmte einen Fuß gegen die Goblinleiche und zerrte sein Axt heraus.Dann sah er nach links und stellte fest, dass der andere Goblin ebenfalls gefallen war. Doch was er sah, als sein Blick zu der jungen Orkfrau auf dem Stuhl wanderte, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren, obwohl er es draußen kurz zuvor noch einmal mit einem herzhaften Schluck guten Orkschnapses aus seinem Flachmann aufgewärmt hatte.

Hinter dem Mädchen stand ein weiterer Goblin, hatte ihren Kopf an den Haaren zurückgezogen und hielt ihr ein rostfleckiges, aber zweifellos ausreichend scharfes Messer an die Kehle. Triumphierend und herausfordernd grinste er Ommo an, der jetzt auch begriff, was hier los gewesen war: schräg hinter dem Stuhl mit dem Orkmädchen befand sich auf dem Boden ein Lager aus fauligem Stroh und unsäglich dreckigen Lumpen, genau unter dem Fenster, durch das Ommo in die Stube gespäht hatte. Dort musste der sechste Goblin gelegen haben, so dass Ommo ihn nicht sehen konnte. Und offenbar hatte dieser – oder auch ein anderer der Goblins – die Stellung im Schlupfwinkel gehalten, während die anderen fünf auf Raubzug waren.

Ein Zwerg verhandelt

Ärger, Wut und maßloses Enttäuschung machten sich in Ommo breit. Da überlegte zwerg sich einen astreinen Plan, führte ihn präzise aus und – hatte dann genau die Situation, die von Anfang an vermieden werden sollte. Fünf Goblins draußen im Wald, fünf in der Stube – wer sollte, bei Hljomr, da ahnen, dass sich noch ein sechster so idiotisch unter dem Fenster herumfläzte, dass er von draußen nicht zu sehen war?

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Aber Ommo Drahtbart wäre nicht Ommo Drahtbart gewesen, wenn er sich nicht in Sekundenschnelle wieder im Griff gehabt hätte. Er setze erst ein breites Grinsen auf, lachte dann anerkennend und sagte zu dem Goblin:

„Na Kamerad, da habt ihr euch aber wacker geschlagen! Wie es aussieht, werden wir beide das Geschäft nun gemeinsam machen müssen…“

„Wass firr Gäschäfft?“ krächzte der Goblin.

„Na, dass mit dem Lösegeld, mein Freund! Wisst ihr nicht, dass dies die Tochter eines reichen Orkhäuptlings ist, der jede Summe bezahlen wird, um sie heil zurück zu bekommen? Ich habe sie schon im Wald verfolgt, aber ihr seid mir dort zuvor gekommen…“

„Lösegälld? Wie meinen Härr Zwärrg?….“

„Ja, mein Verehrter! Ich gedachte, euch dieses Mädchen abzunehmen, aber offensichtlich wart ihr geschickter als ich…“

Ommo neigte den Kopf in höflicher Anerkennung zu dem Goblin hin, vermied es aber tunlichst in die entsetzt aufgerissenen Augen des Orkmädchens zu sehen.

„Wirr als Sklavin verkaufen wollen, äh… äh… ich nix märr saggen, dass Trick von Herr Zwärrg!“

„Nein, nein, kein Trick….“

„Schluss jätzt, ihr main Kammeradden tötten. Ich nix trauen Härr Zwärrg! Ich jätzt nämmän Mäddchän, gähän hirr raus und Härr Zwärrg machän nix Bäwägunk sonst Mäddchänn krrrrrk.“

„Dann solltet ihr aber gut aufpassen, mein Freund….“ meinte Ommo, wies mit einer leichten Kopfbewegung hinter den Goblin und blickte auch in die gleiche Richtung.

„Hrrrch, hrrch,“ lachte der Goblin „dass altte Trick. Zwärrgge immär däncken, Goblins blödd….“

Der Goblin schüttelte sich vor Lachen, dabei musste er das Messer ein Stück von der Kehle des Orkmädchens entfernen. Auf einmal hörte er auf zu lachen und sein Augen weiteten sich in plötzlichem Verstehen und Entsetzen. Doch ihm war zu spät eingefallen, was er die ganze Zeit nicht beachtet hatte. Im nächsten Augenblick schlossen sich zwei gewaltige Kiefer um seinen Hals, dolchspitze Fangzähne drangen in sein Genick und mit einem hässlichen Knirschen wurden die Halswirbel zermalmt.

Das Messer fiel zu Boden und der Körper des Goblin sackt in sich zusammen. Stolz wie ein Spanier kam Grisnira auf ihren besten Freund zu und wieder einmal hätte Ommo schwören können, dass ihn die Katze angrinste.

Puh!

Aber darüber wollte er jetzt nicht nachdenken. Aschfahl sackte er auf eine der herumstehenden Stühle, zog ein blaugeblümtes Taschentuch hervor und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

„Das… Das war knapp! Grisnira, wenn ich Dich nicht hätte. Hljomr, sei Dank, nein, noch mehr Dank sei Vidja, die dich mir geschenkt hat…“ Er tätschelte die Katze, die artig Köpfchen gab und zufrieden schnurrte. Dann erhob er sich und befreite das Orkmädchen von ihren Fesseln.

„Und ihr wollt mich wirklich nicht verkaufen, Herr Zwerg?“ fragte sie.

Ommo hatte sich mittlerweile wieder gefasst und polterte: „So ein Blödsinn! Hätte ich dich dann losgebunden? Und seit wann handeln zwergische Jäger mit Orkmädchen? Ich musste doch etwas reden um diesen ekelhaften Scheisshaufen da solange hinzuhalten, bis er Grisnira eine Gelegenheit bot…“

Das überzeugte das Orkmädchen: „Na dann vielen lieben Dank, lieber Herr Zwerg! Wie kann ich Euch das je danken?“

„Am besten, indem Du mich nicht ‚ihr‘ und ‚Herr Zwerg‘ nennst! Ich heiße nämlich Ommo und man kann auch ‚du‘ zu mir sagen, wenn es pressiert. Und das ist Grisnira, meine beste Freundin.“

„Na, also dann: lieber Ommo…“ Sie war nicht besonders groß, aber kräftig und recht muskulös wie die meisten Orkfrauen. Immerhin war sie aber so groß, dass sie dem Zwerg einen dicken Kuss auf die Stirn geben konnte als sie ihn in die Arme nahm.

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Dann stutzte sie: „Ommo? Ommo Drahtbart etwa? Ich glaube ich kenne Dich! Bist Du aus Grimrborg und hast vor ein paar Jahren mal Geschäfte mit meinem Vater gemacht? Mit Grek’narr aus Laubschatten…“

„Ja sicher, genau der bin ich! Und ich erinnere mich auch an ein freches, kleines Orkmädchen…. Aber Deinen Namen habe ich vergessen…“

Das Orkmädchen, das gerade die Katze streichelte und kraulte, was diese sich gerne gefallen ließ, zog einen Schmollmund: „So? Du hast also die nette, kleine Shir’kra vergessen!“

„Aber nein, wo werde ich! Nur deinen Namen…Und ich weiß noch genau wie kitzlig Du bist – und auch wo!“ Er kitzelte sie am Brustkorb unter den Armen, was sie sich lachend gefallen ließ, obwohl er dabei ihre festen, vollen Brüste berührte. Dann hielt er sie auf Armeslänge von sich und sah sie an: „Du bist ja eine stramme junge Frau geworden, muss ich sagen!“

Shir’kra lachte und gab ihm noch einen Kuss auf die Stirn. „Na sowas! Wer hätte das gedacht, dass aus Mädchen Frauen werden… Aber wir sollten jetzt sehen, dass wir verschwinden. Ich glaube zwar eher weniger, dass diese Goblins noch Komplizen in der Nähe haben, aber man kann ja nie wissen. Und außerdem riecht es hier grauenhaft!“

Sie suchten also Shirk’ras Dinge zusammen, soweit die Goblins sie in die Baude geschleppt hatten. Das war allerdings nicht viel, lediglich einige Schnapsflaschen und ihre Waffen, die Ladung hatten sie im Wagen gelassen. „Es fehlt offenbar so gut wie nichts, nur die ausgesoffenen Schnapsflaschen und etwas Proviant“ freute sich Shir’kra.

„Na dann ist ja alles in Ordnung,“ brummte Ommo zufrieden, „und ich dachte schon, alles ist aus, als auf einmal der sechste Goblin da war.“

„Es ist ja doch gut gegangen. Und jetzt komm zu mir auf den Wagen“, meinte Shir’kra, „dein Pony wird es Dir danken,wenn es einmal nicht zu tragen braucht und außerdem ist es behaglich auf dem Kutschbock, ich hab genug Felle dabei…“

Schließlich rumpelten der Zwerg und das Orkmädchen mit dem Wagen los. Grisnira lag im Fußraum auf einem Fell vor der Spritzwand des Kutschersitzes und wärmte ihnen die Füße. Sie hatten sich warm in Felle eingehüllt und Shir’kra kuschelt sich schläfrig und zutraulich an den Zwerg. Es war ein gutes Gefühl, ihren strammen, warmen Körper zu spüren, auch für einen Zwerg. Es ist nämlich überhaupt nicht wahr, dass Zwerge aus Stein sind und gerade für Ommo Drahtbart galt das besonders.

Später…

Nach einem guten Abendessen im Durchgegangen Gaul zu Halberweg entschied Shir’kra, dass Ommo kein Geld für die Übernachtung im Gasthaus auszugeben brauche, sondern bei ihr im Wagen schlafen könne. Mit gemischten Gefühlen willigte der Zwerg ein. Nicht das Ommo Angst oder Abscheu vor weiblichen Wesen gehabt hätte. Er war ihnen gegenüber nicht einmal gleichgültig, wie das bei nicht wenigen Zwergen der Fall war. Aber es war ihm doch ein wenig unheimlich, wie dieses Orkmädchen ihn in aller Unschuld abschleppte.

Shir’kras Wagen war ein typischer Händlerwagen, wie er in diesem Teil von Endom üblich war. Im vorderen Teil nahm ein Bett die ganze Breite des Wagens ein, das nach Art der Waldorks mit Unmengen von Fellen ausgestattet war. Ommo wurde zunehmend unruhiger, als er merkte, dass es im Wagen ansonsten keine Schlafgelegenheit gab.

Shir’kra zog sich ohne Umstände vollständig aus und schlüpfte splitternackt zwischen die Felle. Ommo bekam so etwas ähnliches wie einen roten Kopf und meinte: „Hmmm, hier auf dem Boden werde ich es mir mit meinen Pelzen und meinem Schlafsack bequem machen….“

„Rede keinen Unsinn und komm zu mir,“ schmollte Shri’kra.

„Also, äh… Nun, ja… Du brauchst dich nicht verpflichtet zu fühlen, weil ich dich vor den Goblin gerettet habe…“

„Das hat doch damit überhaupt nichts zu tun!“

„Äh, hmmmm, eigentlich wollte ich auch derzeit nicht unbedingt heiraten….“

„Wer redet denn von heiraten?“

„Nun, eigentlich wollte ich auch keine feste Beziehung eingehen…“

„Also, Herr Zwerg, jetzt hör mir mal gut zu!“ Shir’kra hatte sich im Bett aufgesetzt und zeigte mit ihrem Finger auf Ommo. Ihre olivgrüne Haut schimmerte samtig. „Ich will noch lange nicht heiraten. Wir beide verstehen uns offenbar sehr gut und ich glaube auch, dass wir dicke Freunde werden. Es ist sehr kalt und zu zweit ist es ganz einfach wärmer im Bett. Dabei die Kleider anzubehalten wäre ausgemachter Blödsinn, weil es sehr unbequem ist. Und warum soll man nicht ein wenig Spaß haben, wenn man nackend miteinander im Bett liegt und sich gut versteht? Wo ist da das Problem?“ Dabei blitzten ihre schneeweißen Fangzähne und die Spitzen ihrer Ohren vibrierten vor Empörung, so dass die vielen goldenen Ring darin zitterten.

Gegen diese Dialektik konnte Ommo nicht an. „Ich sehe schon, Du bist nicht nur eine hübsche und knackige, junge Orkfrau, sonder auch noch eine recht gescheite. Was soll ein einfacher Zwerg da noch sagen,“ lachte er, während er sich auszog.

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Shir’kra streifte das weißgetupfte, rote Ungetüm, dass Ommos Unterhose darstellte, mit einem amüsierten Blick, was dieser aber gar nicht wahrnahm. Nachdem seine moralischen Bedenken zerstreut waren, hatte er es nämlich recht eilig, zu der grünen Frau ins Bett zu kommen, die ihn auch gleich in ihre kräftigen Arme zog.

„Hui, das kitzelt! Sind alle Zwerge so haarig?“ kicherte Shir’kra. Ommo war, wie alle Zwerge, in der Tat stark behaart. Nicht nur auf seinen Unterarmen, Beinen, seinem Bauch und seiner Brust, sondern auch auf seinen Oberarmen, seinen Schultern und einem Teil seines Rückens wuchs dichtes, lockiges, dunkelrotes Haar.

„Hach und deine Muskeln,“ gurrte sie. „Deine Arme sind ja so dick wie meine Oberschenkel…. Und wie hart sie sind, deine Muskeln. Und nicht nicht nur die Muskeln, meine Fresse…“

Grisnira hatte sich unauffällig entfernt und lag auf Ommos Pelzen am Boden des Wagens. Den Kopf hatte sie diskret in die andere Richtung gedreht und dachte sich ihr Teil. Schließlich erlebte sie so etwas nicht zum ersten mal, denn ihr bester Freund war alles andere als ein Kind von Traurigkeiten.

Als es nach einer längeren Zeit ruhig geworden war, stand sie auf, streckte sich und hüpfte graziös auf das Bett. Ommo lag mit Shir’kra in der Löffelchenstellung und zwar so, dass diese vorne lag. Das schwarze Tier drängelte sich ungeniert hinter Ommo, der daraufhin die Felle hob, so dass sie ganz nahe zu ihm schlüpfen konnte. Sie schnurrte wohlig, klappte ihre wunderschönen grünen Augen zu und war auch schon eingeschlafen. Es war ein ereignisreicher Tag gewesen und auch Schneepanther brauchten, wie alle Katzen, ihren Schlaf….

„Ach, das war so schön, mein lieber Herr Zwerg,“ meinte die Orkfrau. „Endlich mal ein richtiger Mann, der arbeitet und nicht nur spielt.“

„Das Fräulein Ork scheint sich ja richtig aus zu kennen,“ stichelte Ommo.

„Nein. Eben nicht. Ich hatte bisher zwei Jungs, bei uns aus der Gegend, aber eben Jungs. Es war sehr schön, sie waren beide sehr lieb und auch irsinnig in mich verknallt und ich auch in sie. Nacheinander versteht sich. Ich möchte diese Erlebnisse nicht missen. Aber mit dir war das nochmal eine ganz andere Qualität – oder wie man da sagen soll… Und überhaupt: Ich war auf jeden Fall nicht die erste Orkin mit der Du es getrieben hast. Das habe ich genau gemerkt, weil du genau weißt, wo und wie du bei uns hinfassen musst.“

„Habe ich doch auch nicht behauptet,“ schmunzelte Ommo und knabberte an ihrem Ohrläppchen. „Weißt du, der Finsterwald ist so groß und da kann sich ein kleines Zwerglein schon einmal einsam fühlen, wenn es ganz allein auf der Jagd ist. Und wenn es sich dann in der finsteren Nacht an ein nettes Orkfrauchen kuscheln kann – wer würde da nein sagen?“

Ommo grinste in sich hinein. Zwergensex war eben Zwergensex. Viele Zwerge zeichneten sich durch sexuelles Desinteresse aus, weil sie nur ihre Arbeit im Kopf hatten. Aber es gab auch andere, solche wie Ommo. Und die fanden die Frauen aller Rassen zuerst süß und knuddelig, weil sie sie schön kurz und dick und knuffig waren. Und so herrlich haarig und bärig-brummig. Wehe aber, eine Frau nahm solch einen netten Kerl mal in den Arm und kam ihm so nahe, das sie seine Pheromone roch. Dann war es um sie geschehen und sie erfuhr, dass an Zwergen alles kurz und dick und nicht nur die Muskeln hart waren. Und das Zwerge alle Arbeiten zwar langsam und bedächtig, aber gründlich, mit Sorgfalt, Ausdauer und sehr viel Liebe zum Detail verrichteten…

Von hinten gab die Katze warm, von vorne das Orkmädchen. Nicht dass es einem Zwerg etwas ausgemacht hätte, in der bittersten Kälte draußen zu schlafen. Schon gar nicht einem knallharten Jäger vom Kaliber eines Ommo Drahtbart. Aber wenn zwerg es fein gemütlich und kuschelig warm haben konnte, warum sollte „ein kleines Zwerglein“ da nicht dankbar sein?

Shir’kra kuschelte sich noch fester an ihn und kurz darauf merkte er an ihrem gleichmäßigen Atem, dass sie eingeschlafen war. Er seufzte wohlig, dankte Hljomr, das er auf der Welt und ein Zwerg war sowie Vidja, dass er ein Jäger sein durfte. Und dann fing er nach bester Zwergenart an zu schnarchen…

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