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Posts Tagged ‘Online-Spielsucht’


… wo sind sie geblieben? Erinnert Ihr Euch noch, was für ein Katzengeschrei im letzten Frühjahr um „Killerspiele“ war, die angeblich aus lieben Bubis pöse Schulhaus-Schießer machen sollten? Zum Glück hört man in dieser Richtung mittlerweile eigentlich gar nichts mehr. Trotzdem sollte man das Thema nicht ad acta legen, zumal man gerade auch anhand der Tatsache, dass es so still darum geworden ist, einige interessante Betrachtungen anstellen kann.

Tatsächlich habe auch ich in letzter Zeit nicht mehr so viel an dieses Thema gedacht. Ich bin daran erinnert worden, als ich gerade meine Statistiken angeguckt habe. Und zwar weil heute mal wieder ein Besucher über einen Trackback-Link gekommen ist, der bei einem Artikel auf dem Living-in-WoW-Blog erzeugt wurde, auf den ich mich seinerzeit hier bezogen habe. Es ging damals um diese seltsame Frau Haderthauer(wer redet heute noch von der?), ihres Zeichens bayerische Sozialministerin, die allen Ernstes World of Warcraft verbieten lassen wollte. Nicht weil es besonders brutal sei, sondern wegen des angeblich hohen Suchtpotenzials.

Kurzfristig noch bekannter war ja dieser komische Herr Pfeiffer, bis dato (und mittlerweile auch wieder) ein Nobody, der wohl versuchte, mit kruden Thesen auf der Böse-Killerspiele-Welle zum Medienruhm zu reiten.  Um alle diese Dinge ist es still geworden. Das zeigt zum einen, dass es immer wieder Leute gibt, die mediale Hypes auszunutzen versuchen, um bekannt zu werden, wie schon vor über zwanzig Jahren Rita Süssmuth, die sich mit Hilfe des damaligen Medienrummels um AIDS zu profilieren versuchte. Zum anderen zeigt es auch, wie schnell solche Themen vergessen werden.

Interessant wäre wohl auch, einmal nachzusehen, was aus den Leuten geworden ist, die damals in mehr oder weniger reißerischen Fersehbeiträgen als WoW-Süchtige vorgestellt wurden: Ob sie wohl in der Gosse gelandet sind? Oder sich umgebracht haben? Oder vielleicht lange das Interesse an World of Warcraft verloren haben und heute darüber grinsen, wieviel Zeit sie auf Azeroth und in der Scherbenwelt verbracht haben?

Ich persönlich habe längere Zeit auch sehr viel World of Warcraft gezockt, ehrlich gesagt, sogar so viel, dass mir manchmal selbst nicht ganz wohl dabei war. Mittlerweile habe ich jedoch schon monatelang nicht mehr gespielt, ganz einfach deswegen, weil mich in dieser Zeit das Bauen von Fantasy-Figuren und -Szenen mit 3D-Software mehr fasziniert hat. Allerdings habe ich immer noch eine frische Gamecard zur Hand und Cataclysm habe ich mir auch bereits besorgt. Ich denke mal, dass ich mir über die Feiertage Zeit nehmen werde, um zu gucken, was jetzt so alles los ist auf Azeroth.

Teile und herrsche

Wenn so etwas wie letztes Jahr im März in Winnenden passiert, bin ich jedesmal doppelt betroffen: Wie die meisten wohl wissen, bin ich ja nicht nur ein schlimmer, süchtiger „Killerspieler“, sondenr auch einer von den gefährlichen, bösen Buben und Mädels, die Schusswaffen besitzen, denn wie mit meinem Mainchar Drahtbart in WoW bin ich ja auch im richtigen Leben außer Ingenieur auch Jäger.

Da ich nun aber auch ein streitbarer Schreiberling bin, habe ich nach solchen Vorfällen wie in Winnenden immer an zwei Fronten zu kämpfen: Im Usenet und in Web-Foren bin ich dann zugange, um sowohl die Hetzer gegen „Killerspiele“ als auch die Gutmenschen in ihre Schranken zu weisen, die in jeder Schusswaffe ein Werkzeug des Satans sehen. Beiden Gruppen ist es gemeinsam, dass es mit ihrer Sachkunde meist nicht weit her ist und ihre (Schein-)Argumente verhältnismäßig leicht zu widerlegen. In der Regel werden bei beiden Themen lediglich aus den Medien aufgeschnappte nicht wirklich vestandene halbe Wahrheiten nachgeplappert, die ja bekanntlich meist ganze Lügen sind.

Was mich traurig machte war jedoch, dass ich unter den Gamern, die selbst betroffen waren, Leute gab, die gegen den privaten Waffenbesitz wetterten und dabei genauso wenig Ahnung von Waffen und den Auswirkungen legalen Waffenbesitz hatten wie die Computerspielgegner von Computerspielen. Wenn man wie ich vielseitigen Interessen nachgeht, sieht man öfter, wie sich Gruppen gegenseitig anfeinden, die beide vom gleichen Problem betroffen sind, nämlich der Regulierungswut und Gängelei des Nanny-Staates: Als Segler und Angler habe ich erlebt, wie Freizeitkapitäne gegen Sportfischer hetzten und umgekehrt, obwohl sie lieber zusammenarbeiten sollten,weil Staat und ideologische „Naturschützer“sie beide aus der Landschaft regulieren wollen. Als Jäger und  gleichzeitig Ehemann und Vater von zwei Reiterinnen, der selbst einmal ein Reiter war, kann ich das gleiche bei Reitern und Jägern beobachten.

Menschen auf diese Weise auseinander zu dividieren ist ein probates Mittel, sie zu beherrschen: Die Angler lachen, wenn die Bootfahrer eingeschränkt werden, die Bootfahrer, grinsen hämisch, wenn die Jäger Repressionen zu erdulden haben, die Jäger freuen sich, wenn die Mountainbiker überreglementiert werden, die wiederum freuen sich, wenn… Am Schluss sind dann alle nach der bewährten Salamitaktik aus der Natur hinausreglementiert worden und gucken alle gleich dumm aus der Wäsche.

Das ganze funktioniert auch mit dem Rauchen: Soweit die Nichtraucher überhaupt noch mit den Rauchern reden, die sie ja angeblich böswillig begiftgasen, gehen sie auch nicht mehr in die endlich rauchfreie Kneipe, weil es da öde ist, seitdem die Smokies wegbleiben. Die Folge ist, dass die Leute nicht mehr miteinander reden und statt dessen daheim vor dem Verblödungskasten sitzen, wo sie leicht gleichzuschalten und zu pflegeleichten Konsum- und Arbeits-Zombies zu erziehen sind.

Apropos Fernsehen: Im Zusammenhang mit dem Mediengeschrei um „Killerspiele“ letztes Jahr wurde ja auch berichtet, wieviel Zeit die Kids vor dem Computerbildschirm verbringen. Ich weiß jetzt die genauen Zahlen nicht mehr, aber es war so viel, dass man sagen kann, dass es bei vielen schon den größten Teil der Freizeit ausmacht. Zum Fernsehen bleibt bei ambitionierten Zockern auf jeden Fall nicht mehr viel Zeit übrig.

Man muss nun nicht so weit verschwörungstheoretisieren, dass der Staat sich hier Sorgen macht, weil fernsehverweigernde Kids und die daraus entstehenden glotzentwöhnten Erwachsenen für seine Indoktrination nicht mehr erreichbar sind. Wesentlich näher liegt nämlich der Schluss, dass bei allen Fernsehsendern hier die Alarmglocken schrillen: Die leben nämlich von Werbeeinnahmen. Und wer wird Geld für Fernsehwerbung ausgeben, wenn niemand vor der Glotze hockt?

Die Zuschauerzahlen machen den Preis der Werbeminute. Das bedeutet, dass jeder, der statt vor dem Fernseher vor dem Computer sitzt, die Fernsehbuden bares Geld kostet. Wundert man sich da, wenn die mit reißerischen Beiträgen über die Gefährlichkeit von Computerspielen versuchen, WoW und Co. in Misskredit zu bringen?

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Die Nachricht an sich ist zwar schon etwas angegraut, das Thema bleibt aber aktuell: Vor einer Woche etwa geisterte die Nachricht durch Netz und Medien, dass die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer ein Verbot von „World of Warcraft“ fordere. So habe jedenfalls die bekannte „Zeitung“ mit den vier Buchstaben berichtet, von welcher der Deutsche Michel sich mehrheitlich seine Meinung BILDen lässt.

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Warum dieser Zwerg so finster guckt? Er hat in der BILD-"Zeitung" gelesen, was Christine Haderthauer vorhaben soll...

Mir ist der Artikel auf gamestar.de gerade unter die Augen gekommen. Wie gesagt, schon eine gute Woche alt, aber immer noch bedenklich. Zunächst muss man sich einmal fragen, ob ein Landtag in Krisenzeiten mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen eigentlich keine wichtigeren Sorgen hat, als bunte Pixel auf Computerbildschirmen? Das tatsächliche Vorkommnis, auf deren Grundlage man sich die angebliche WoW-Verbotsforderung der bayerischen Politikerin aus den Fingern gesogen – oder dabei tatsächlich aufgeschnappt? – hatte, war nämlich eine Landtagsdiskussion zum Thema Altersfreigabe von Computerspielen.

Der Vorgang hat natürlich auch einige Bloggerkollegen aufhorchen lassen. So brachte Electrobeans einen kurzen Beitrag zum Thema, aber auch das Living in WoW-Blog, elhabib.at und sicher auch weitere befassten sich mit dem Thema.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer…

Etwas muss aber tatsächlich dran sein an der Geschichte mit der Forderung eines Verbots von World of Warcraft: Dorothee Bär, eine Parteikollegin der Killerspiel-Christl, betrieb in einem Intervie mit buffed.de Schadensbegrenzung. Als der Interviewer im Rahmen  einer seiner Fragen erwähnte, dass Haderthauer für ein Verbot von WoW wäre, widersprach sie ihm nämlich keineswegs, sondern betonte lediglich, dass sie persönlich strikt gegen ein Verbot von Computerspielen wäre.

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Will die bayerische Sozialministerin Azeroth und Scherbenwelt von unseren Compis verbannen?

Wie man einem Artikel zum gleichen Thema auf golem.de entnehmen kann, war bei der ominösen Landtagssitzung auch der Shooting Star der Killerspiele-sind-böse™-Scene zugegen, der selbsternannte Computerspielsucht-Papst Dr. Christian Pfeiffer. Ja richtig:  genau der, der mit bestechender Nonchalance die  Gefährlichkeit harter Rauschgifte verharmlost, indem er das WoW-Zocken mit Koksen vergleicht um damit auch einmal aus dem Dämmer seines Elfenbeinturms im Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen ins Licht der Medien hinauszutreten. Ob er wohl auf Steuerzahlers Kosten aus dem kühlen Niedersachsen ins schöne München hätte reisen dürfen, wenn er sich nicht mit derart starkem Tobak ins Gerede, Verzeihung, ins Gespräch gebracht hätte?

Ist Selbstkontrolle überhaupt Kontrolle?

Christian und Christine in schönster Eintracht: Mit den „Argumenten“ von WoW-ist-Koks-Pfeiffer hatte die Killerspiel-Christl auch ihre Forderung auf die Tagesordnung gebracht, sei es nun wie laut BILD, die nach einem WoW-Verbot oder, nach Lesart des Golem, lediglich die nach einer verbesserten Jugendschutz-Kontrolle für Colour-Killer-Ballerspiele.  Harsch ging die wackere Dame nämlich auch mit den Machern der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) ins Gericht: Sie seien von der Medienwirschaft instaliert und finanziert. So würde den Experten nur von allzu üppig triefendem Blut gereinigtes, vorsortiertes Material zur Begutachtung zugespielt, so dass diese im Nachhinein oft entsetzt darüber seien, was sie da eigentlich freigegeben haben.

Nun, da schwelt mir aber doch eine Frage im Gebeiß: Wie kommen die Gutachter eigentlich dazu, ein ganzes Spiel zu beurteilen, wenn sie es nicht auch ganz gesehen haben? Das ist ungefähr so, als wenn ich eine Buchrezension anhand des Klappentextes machen würde, den mir der Verleger am Telefon vorgelesen hat.

Was steckt eigentlich dahinter?

Ganz unabhängig von den Einzelheiten des Hickhacks um „Killerspiele“ muss man sich aber die Frage stellen, was für einen Zweck diese Übung eigentlich wirklich hat? Die Intuition, von den wahren Hintergründen und Ursachen von Bluttaten á la Winnenden abzulenken und peinlichen Fragen aus dem Weg zu gehen, ist natürlich offenkundig. Aber es steckt möglicherweise noch mehr dahinter als bloße Nebelkerzen.

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Zwergenmörsertrupp in Dun Morogh: Nehmen die bärtigen Kurzbeine zusammen mit ihren Freunden und Feinden den armen Fernsehleuten das Brot vor dem Munde weg?

In den Medien tauchen derzeit immer wieder bestimmte Zahlen auf: 130 Minuten unter der Woche und  167 Minuten am Wochenende würden die Kids täglich zocken. Was doch alle sehr bedenklich zu stimmen habe. Honi soit qui mal y pense, ein Schelm, der schlechtes dabei denkt. Leider bin ich nunmal ein Schelm: Da ich selber Kids im Teeny-Alter habe, weiß ich, wie diese  heutzutage mit der Schule eingespannt sind und das vielen da neben dem zwei- bis dreistündigem täglichen Zocken von WoW & Co. wohl wenig Zeit für andere Aktivi- respektive Passivitäten bleibt.

Ja richtig – ich denke da ans Fernsehen. Hardcore-Zocker haben keine Zeit mehr zum Glotzen. Ich möchte ja nicht mit einer Eselskappe auf der „Doofer Verschwörungstheoretiker“ zu lesen steht, in die Ecke gestellt werden; daher unterlasse ich auch Mutmaßungen darüber, ob es um die Sorge geht, dass sich die Zocker der ominösen Manipulation durch das Fernsehen entziehen. Nein, es ist viel einfacher: Wer zockt, der sieht keine Werbung.

Verlorene Reichweite – Verlorenes Geld

Die Reichweite von Medien macht den Preis für den Anzeigenmillimeter und die Werbeminute. In den Einschaltquoten der Volksverdummungsanstalten schlägt sich das Zocken wohl noch nicht nieder, aber das nimmt nicht wunders: Die Glotze ist an, ob Paps und Mammi alleine davor sitzen oder mit den Kids. Wenn sich aber bei den Werbekunden herumspricht, dass vor jeder eingeschalteten Glotze aufgrund von des verbreiteten Konsums von Computerspielen einskommasoundsoviel Personen weniger sitzen, verringert sich die Reichweite der Fernsehwerbung. Natürlich wird das auf die Preise für die Werbeminute drücken und damit auf die Einnahmen der Medienkonzerne denen die Fernsehsender gehören. Und die haben einfach eine größere Lobby als die Spielehersteller  – und natürlich die exzellente Möglichkeit, „Killerspiele“ über sämtliche Medien in ihren Portefeuilles zu diskreditieren.

Wundert sich noch jemand, über die Hatz auf „Killerspiele“?

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