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Archive for 21. Dezember 2010


… wo sind sie geblieben? Erinnert Ihr Euch noch, was für ein Katzengeschrei im letzten Frühjahr um „Killerspiele“ war, die angeblich aus lieben Bubis pöse Schulhaus-Schießer machen sollten? Zum Glück hört man in dieser Richtung mittlerweile eigentlich gar nichts mehr. Trotzdem sollte man das Thema nicht ad acta legen, zumal man gerade auch anhand der Tatsache, dass es so still darum geworden ist, einige interessante Betrachtungen anstellen kann.

Tatsächlich habe auch ich in letzter Zeit nicht mehr so viel an dieses Thema gedacht. Ich bin daran erinnert worden, als ich gerade meine Statistiken angeguckt habe. Und zwar weil heute mal wieder ein Besucher über einen Trackback-Link gekommen ist, der bei einem Artikel auf dem Living-in-WoW-Blog erzeugt wurde, auf den ich mich seinerzeit hier bezogen habe. Es ging damals um diese seltsame Frau Haderthauer(wer redet heute noch von der?), ihres Zeichens bayerische Sozialministerin, die allen Ernstes World of Warcraft verbieten lassen wollte. Nicht weil es besonders brutal sei, sondern wegen des angeblich hohen Suchtpotenzials.

Kurzfristig noch bekannter war ja dieser komische Herr Pfeiffer, bis dato (und mittlerweile auch wieder) ein Nobody, der wohl versuchte, mit kruden Thesen auf der Böse-Killerspiele-Welle zum Medienruhm zu reiten.  Um alle diese Dinge ist es still geworden. Das zeigt zum einen, dass es immer wieder Leute gibt, die mediale Hypes auszunutzen versuchen, um bekannt zu werden, wie schon vor über zwanzig Jahren Rita Süssmuth, die sich mit Hilfe des damaligen Medienrummels um AIDS zu profilieren versuchte. Zum anderen zeigt es auch, wie schnell solche Themen vergessen werden.

Interessant wäre wohl auch, einmal nachzusehen, was aus den Leuten geworden ist, die damals in mehr oder weniger reißerischen Fersehbeiträgen als WoW-Süchtige vorgestellt wurden: Ob sie wohl in der Gosse gelandet sind? Oder sich umgebracht haben? Oder vielleicht lange das Interesse an World of Warcraft verloren haben und heute darüber grinsen, wieviel Zeit sie auf Azeroth und in der Scherbenwelt verbracht haben?

Ich persönlich habe längere Zeit auch sehr viel World of Warcraft gezockt, ehrlich gesagt, sogar so viel, dass mir manchmal selbst nicht ganz wohl dabei war. Mittlerweile habe ich jedoch schon monatelang nicht mehr gespielt, ganz einfach deswegen, weil mich in dieser Zeit das Bauen von Fantasy-Figuren und -Szenen mit 3D-Software mehr fasziniert hat. Allerdings habe ich immer noch eine frische Gamecard zur Hand und Cataclysm habe ich mir auch bereits besorgt. Ich denke mal, dass ich mir über die Feiertage Zeit nehmen werde, um zu gucken, was jetzt so alles los ist auf Azeroth.

Teile und herrsche

Wenn so etwas wie letztes Jahr im März in Winnenden passiert, bin ich jedesmal doppelt betroffen: Wie die meisten wohl wissen, bin ich ja nicht nur ein schlimmer, süchtiger „Killerspieler“, sondenr auch einer von den gefährlichen, bösen Buben und Mädels, die Schusswaffen besitzen, denn wie mit meinem Mainchar Drahtbart in WoW bin ich ja auch im richtigen Leben außer Ingenieur auch Jäger.

Da ich nun aber auch ein streitbarer Schreiberling bin, habe ich nach solchen Vorfällen wie in Winnenden immer an zwei Fronten zu kämpfen: Im Usenet und in Web-Foren bin ich dann zugange, um sowohl die Hetzer gegen „Killerspiele“ als auch die Gutmenschen in ihre Schranken zu weisen, die in jeder Schusswaffe ein Werkzeug des Satans sehen. Beiden Gruppen ist es gemeinsam, dass es mit ihrer Sachkunde meist nicht weit her ist und ihre (Schein-)Argumente verhältnismäßig leicht zu widerlegen. In der Regel werden bei beiden Themen lediglich aus den Medien aufgeschnappte nicht wirklich vestandene halbe Wahrheiten nachgeplappert, die ja bekanntlich meist ganze Lügen sind.

Was mich traurig machte war jedoch, dass ich unter den Gamern, die selbst betroffen waren, Leute gab, die gegen den privaten Waffenbesitz wetterten und dabei genauso wenig Ahnung von Waffen und den Auswirkungen legalen Waffenbesitz hatten wie die Computerspielgegner von Computerspielen. Wenn man wie ich vielseitigen Interessen nachgeht, sieht man öfter, wie sich Gruppen gegenseitig anfeinden, die beide vom gleichen Problem betroffen sind, nämlich der Regulierungswut und Gängelei des Nanny-Staates: Als Segler und Angler habe ich erlebt, wie Freizeitkapitäne gegen Sportfischer hetzten und umgekehrt, obwohl sie lieber zusammenarbeiten sollten,weil Staat und ideologische „Naturschützer“sie beide aus der Landschaft regulieren wollen. Als Jäger und  gleichzeitig Ehemann und Vater von zwei Reiterinnen, der selbst einmal ein Reiter war, kann ich das gleiche bei Reitern und Jägern beobachten.

Menschen auf diese Weise auseinander zu dividieren ist ein probates Mittel, sie zu beherrschen: Die Angler lachen, wenn die Bootfahrer eingeschränkt werden, die Bootfahrer, grinsen hämisch, wenn die Jäger Repressionen zu erdulden haben, die Jäger freuen sich, wenn die Mountainbiker überreglementiert werden, die wiederum freuen sich, wenn… Am Schluss sind dann alle nach der bewährten Salamitaktik aus der Natur hinausreglementiert worden und gucken alle gleich dumm aus der Wäsche.

Das ganze funktioniert auch mit dem Rauchen: Soweit die Nichtraucher überhaupt noch mit den Rauchern reden, die sie ja angeblich böswillig begiftgasen, gehen sie auch nicht mehr in die endlich rauchfreie Kneipe, weil es da öde ist, seitdem die Smokies wegbleiben. Die Folge ist, dass die Leute nicht mehr miteinander reden und statt dessen daheim vor dem Verblödungskasten sitzen, wo sie leicht gleichzuschalten und zu pflegeleichten Konsum- und Arbeits-Zombies zu erziehen sind.

Apropos Fernsehen: Im Zusammenhang mit dem Mediengeschrei um „Killerspiele“ letztes Jahr wurde ja auch berichtet, wieviel Zeit die Kids vor dem Computerbildschirm verbringen. Ich weiß jetzt die genauen Zahlen nicht mehr, aber es war so viel, dass man sagen kann, dass es bei vielen schon den größten Teil der Freizeit ausmacht. Zum Fernsehen bleibt bei ambitionierten Zockern auf jeden Fall nicht mehr viel Zeit übrig.

Man muss nun nicht so weit verschwörungstheoretisieren, dass der Staat sich hier Sorgen macht, weil fernsehverweigernde Kids und die daraus entstehenden glotzentwöhnten Erwachsenen für seine Indoktrination nicht mehr erreichbar sind. Wesentlich näher liegt nämlich der Schluss, dass bei allen Fernsehsendern hier die Alarmglocken schrillen: Die leben nämlich von Werbeeinnahmen. Und wer wird Geld für Fernsehwerbung ausgeben, wenn niemand vor der Glotze hockt?

Die Zuschauerzahlen machen den Preis der Werbeminute. Das bedeutet, dass jeder, der statt vor dem Fernseher vor dem Computer sitzt, die Fernsehbuden bares Geld kostet. Wundert man sich da, wenn die mit reißerischen Beiträgen über die Gefährlichkeit von Computerspielen versuchen, WoW und Co. in Misskredit zu bringen?

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