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Archive for 12. März 2009


Dass man Computerspiele mit Drogen vergleicht und als Suchtmittel bezeichnet, ist ja nichts neues. Es gibt aber nicht nur Leute, die Computerspiele (angeblich) als Drogen, sondern auch solche, die Computerspiele zusammen mit Drogen benutzen. Ob das gut ist?

Diese Thema hat jemand in einem Thread auf dem Forum von inWoW.de angeschnitten und zwar unter dem Titel „Drogen und WoW„. Aus diesem Grunde bin ich auch auf die Idee gekommen, mich hier einmal mit diesem Thema zu befassen. Was also ist vom Zocken auf Drogen zu halten?

Was man lieber nicht einwerfen sollte…

Zunächst einmal gibt es Drogen, zu denen ich ohne Wenn und Aber ein klares „Nein!“ aussprechen muss. Wohin Heroin, Kokain und Crack führen, weiß jeder, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Auch von Speed – Ecstasy gehört hier auch dazu – sollte man die Finger lassen, vor allem, wenn man, wie sehr viele Leute heutzutage, sowieso zur Nervosität neigt. Körperlicher Zusammenbruch, Schlaganfall und was weiß ich, was dieses Zeug noch verursachen kann, sind beileibe nichts, was man haben muss.

... sieht davon hauptsächlich die Friedhöfe.

Es gibt Drogen, die können einen ganz schnell hierher bringen. Allerdings in der Realität und ohne "Wiederbelebung in 14 Sekunden"...

Halluzinogene wie LSD und Mescalin werden wohl von manchen eher zu den weichen Drogen gerechnet, sie haben jedoch durchaus ebenfalls ihre Tücken. In der Regel machen sie zwar nicht „süchtig“ im landläufigen Sinne, auch wenn sie sicher psychische Abhängigkeit erzeugen können. Trotzdem sind sie gefährlich und zwar deswegen, weil sie einen durchaus dahin bringen können, wo die Wände gepolstert sind und man die Jacken hinten zumacht. Glaubt mir: Auch wenn es nicht immer  ganz so schlimm wird, es rennen genug Leute herum, die an Dingen zu knabbern haben, die sie „auf Pille“ erlebt haben und die teilweie deswegen auch in Behandlung sind.

Und der gute, alte Hanf?

Als eine durchaus eher harmlose Droge kann man dagegen den Hanf ansehen, auch wenn man es damit ebenfalls nicht übertreiben sollte. Jeder kennt wohl den einen oder anderen, der neben seiner Mütze daherläuft, weil er ständig stoned ist und nichts als die Kifferei in der Birne hat. Mit solchen Leuten kann man kein Sch…häuschen stürmen, wie man bei uns im Schwäbischen sagt. Ob die wohl im Raid oder auf dem Schlachtfeld was taugen?

Aber in Maßen genossen wäre gegen Hanf kaum  etwas einzuwenden, weniger auf jeden Fall als gegen Alkohol. Auch wenn meine eigenen (nicht unerheblichen) Erfahrungenmit dem feinen Rauschkräutlein länger zurückliegen als mein Einstieg in World of Warcraft, kann ich mir durchaus lebhaft vorstellen, wie es wäre, nach einem Tütchen eine Runde WoW zu zocken: Ich würde mich garantiert über die ulkigen Zwerge, die knuffigen Orks und die ganzen anderen Gags kringelig lachen. Ob dann bei der Hordlerjagd viel herauskäme, wage ich jedoch zu bewzeifeln. Und über die  skurillen Gestalten in WoW kannn ich mich auch ohne Drogen köstlich amüsieren.

Andererseits passt aber auch die ganze Fantasy-Thematik aus meiner Sicht recht gut zum Hanf, wohl auch weil beide doch einiges mit der Freak-Szene der 70er und 80er zu tun haben.  „Der Herr der Ringe“ war eine beliebte Lektüre bei den Alternativen;  bei Uriah Heep etwa ging es auf den von Roger Dean gemalten Plattencovern und teilweise auch in den Songtexten ebenfalls um Phantastisches. Manche Musikstücke in WoW, wie z.B. das, was zu der Fahrt mit den  Eisbrechern gehört, erinnern stark an Musik, die wir damals auch zum Kiffen hörten, wie zum Beispiel die von Ougenweide.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die drei „Der Herr der Ringe“-Filme ebenfalls recht gut kommen können, wenn man dazu das eine oder andere Tütchen raucht. Und WoW auf Cannabis? Warum nicht? Zumindest, wenn man nicht zu den eher zartbesaiteten Gemütern gehört, denen der eine oder andere virtuelle Ort im Spiel unheimlich ist. Denn eines sollte man über den alten Onkel Hanf und seine Nichte Lady Maria von Huana auf jeden Fall wissen: Cannabis boostet die augenblickliche Gemütslage, kann also auch miese Gefühle gewaltig verstärken und im schlimmsten Falle für einen handfesten Horror sorgen.

Dumm gefragt: Muss das sein?

Allerdings sind das bei mir lediglich theoretische Betrachtungen. Seitdem ich andere Kicks wie Segeln oder Jagen  kenne, spielen Rauschmittel bei mir keine Rolle mehr. Unabhängig von der Frage ob man beim Zocken kifft oder beim Kiffen zockt, kann man sich auch eine ganz andere stellen: Muss man eigentlich unbedingt dann und wann eine blöde Birne haben, oder gibt es was besseres? Ich meine: Man kann seine Zeit auch sinnvoller nutzen. Was ich anstatt Drogen zu nehmen so alles treibe, kann man sich übrigens auf meinem Selbstversorger-Blog ansehen.

zwergenmoerser01

Zwergenmörsertrupp von Dun Morogh: Braucht man eigentlich noch Drogen, wenn man diesen Burschen zuguckt?

Obwohl Cannabis für mich praktisch keine Rolle mehr spielt, bin ich nach wie vor absolut für die Legalisierung nicht nur des Hanfes, sondern sämtlicher, auch der härtesten Rauschgifte. Warum? Beim Hanf ist es klar: Weil sein Gebrauch in gewissem Maße akzeptabel ist. Bei den anderen Drogen: Weil es erst die Illegallität ist, aus der die Kriminalität rund um Drogen entsteht. Wer volljährig ist, muss selbst wissen, was er in seine Birne stopft. Wenn ein Junkee sich seinen Stoff aber zu einem angemessenen Preis (und natürlich versteuert) in einer offiziellen Verkaufsstelle besorgen könnte, wie das bei Alkohol der Fall ist, würde er nicht beim Dealen für den Eigenbedarf  Kinder auf dem Schulhof anfixen. Von der sonstigen Kriminalität rund um illgale Drogen ganz zu schweigen.

Und trotzdem: Finger weg!

Allerding muss ich trotz meiner liberalen Einstellung zu Drogen derzeit auch stark vor dem Gebrauch des Hanfes warnen: Man muss nämlich wissen, dass die Polizei mittlerweile Kraftfahrer nicht nur auf Alkohol sondern auch auf Cannabis kontrolliert. Und dummerweise lässt sich THC eben im Urin noch sehr lange nach dem letzten Konsum nachweisen. Es gibt auch keine Toleranzgrenze wie etwa beim Alkohol: Wer mit Cannabis im Körper erwischt wird, ist den Führerschein los. Ihn dann wieder zu bekommen ist allermindestens so eine bescheidene Prozedur, wie wenn man mit saftig Alk im Blut am Steuer erwischt worden ist, wenn nicht noch wesentlich schlimmer: MPU (Idiotentest), Auflagen, Antanzen zur Urinprobe…

Tut Euch das nicht an! Ein Joint oder eine Pfeife ist tatsächlich ein nette Sache, aber heutztage steht es einfach nicht mehr dafür. Abgesehen davon, dass die Pappe für viele heute unabdingbar für den Beruf oder zumindest den Arbeitsweg ist:  Man muss dabei vor allem auch bedenken, dass der fehlende Pappendeckel heutzutage sehr leicht noch auf eine andere Art und Weise die Falltür ins Prekariat darstellt. In jedem Bewerbungsbogen steht die Frage nach dem Führerschein, auch bei Jobs, für die man überhaupt keinen braucht, weil der Arbeitgeber mit dieser Frage auf etwas ganz anderes abzielt. Heute hat praktisch jeder unbescholtene Mensch eine Fahrerlaubnis. Hat jemand keine, ist das für Arbeitgeber ein starkes Indiz für Unregelmäßigkeiten wie Alkohol- und/oder Drogenprobleme, wenn nicht gar für einen kriminellen Lebenswandel.

Also: Der Joint beim Zocken mag eine nette Sache sein. Derzeit rate ich aber dringend davon ab, weil er sehr schnell den Führerschein kosten kann. Ganz abgesehen davon, dass ich mittlerweile zumindest für mich selbst zu der Überzeugung gekommen bin, dass es keine Drogen braucht um Spaß zu haben.

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