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Archive for 7. März 2009


Aus Tolkiens Büchern kennt man sie als halbsynthetisch erzeugte, grausame und wohl auch seelenlose Bösewichte, die lediglich willige Erfüllungsgehilfen verderbter Zauberer und Dämonen sind. Mittlerweile haben sie jedoch Karriere gemacht und müssen nicht mehr nur Buhmänner und Futter für Zwergenäxte abgeben.

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Bereits bei R.A. Salvatore lernt man anhand von Gestalten wie dem Ork-König Obould und seiner Bettgespielin Tsinka Schindrell nicht nur, wo ganz offensichtlich die kleinen Orks herkommen, sondern auch, dass die Burschen durchaus in der Lage sind zu denken, auch wenn das in etwas anderen Kategorien geschieht als bei den so genannten guten Rassen. Die knuffigen Warcraft-Orks dann, sind zwar augenscheinlich etwas einschichtig und neigen deutlich mehr als nur ein wenig zu Gewalttätigkeiten, stellen aber durchaus ehrenwerte Zeitgenossen dar, die eine Kultur und einen Glauben besitzen.

Der Hintergrund

In etwa in diese Richtung gehen auch die Orks, um die es in Stan Nicholls gleichnamigem Roman geht. Auf einer Welt, die aufgrund gestörter Erdmagie offenbar kurz vor einer Eiszeit steht, auf einem Kontinent namens Maras-Dantien, der von aus dem Norden vorrückenden Eismassen unmittelbar bedroht ist, sind sie vielleicht nicht gerade als Personen akzeptiert, werden jedoch als exzellente Söldner und Leibwächter geschätzt.

Die Personen

So stehen auch der Ork-Offizier Stryke und sein berühmt-berüchtigter Kampftrupp „Die Vielfraße“ in Söldnerdiensten. Und zwar in denen eines besonders fiesen, blutrünstigen, launischen Ekelpakets von Königin, die gleichzeitig als Mischung aus verschiedenen Rassen auf seltsame Weise  schön ist und eine neigenartigen Sex-Appeal besitzt. Sie hat auch gewisse, naja, nicht ganz alltägliche erotische Vorlieben, die sie ganz gerne einmal an todgeweihten Gefangenen auslebt. In diese Lage, als Lustobjekt der Königin zu dienen, können durchaus auch ihre eigenen Leute recht leicht geraten, zum Beispiel durch Unfähigkeit, deren Definition die Dame recht weitherzig auslegt.

Zu Strykes Truppe gehört neben den gemeinen Söldnern, dem Feldwebel Haskeer und dem Sanitäter Alfray auch die Strategin Coilla. Sie ist ein (Alb-)Traum von einem Orkweib: eine geschickte und starke Kriegerin, die weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen ist und so manchen männlichen Ork das Fürchten lehrt. Ebenfalls dabei ist ein Zwerg namens Jup. Er wird von den Orks aufgrund seiner Rasse zwar dann und wann gefrozzelt, nichtsdestotrotz jedoch voll akzeptiert. Wie Haskeer steht er sogar im Range eines Feldwebels.

Die Story

Die Aufgabe von Stryke und Konsorten ist es, ein magisches Artefakt zu beschaffen, das in einer menschlichen Ansiedlung aufbewahrt wird. Natürlich sind sie erfolgreich und natürlich sind sie das auf orkische Art und Weise: mit Totalschaden an der Siedlung und deren Bewohnern. Außer dem Artefakt erbeuten die Orks auch eine größere Menge von „Kristall“, dem in ihrer Welt gängigen Rauschgift und feiern mit einem Teil davon ein kleines Happening.

Als sie am anderen Morgen aus dem Drogenrausch erwacht sind, werden sie von Goblins überfallen, die den magischen Gegenstand erbeuten und damit fliehen können. Stryke sitzt nun in der Patsche: Selbst wenn es den Vielfraßen gelingt, den Goblins das Artefakt wieder abzujagen, werden sie den Zorn ihrer Königin über die Verzögerung nicht überleben. Da Stryker aber erkannt hat, wie hoch der Wert des seltsamen Gegenstandes für die Königin sein muss, beschließt er, ihn dennoch wieder zu beschaffen. Er will ihn nämlich als Faustpfand verwenden und damit das Leben seiner Leute retten.

Unterwegs hat Stryke immer wieder visionäre Träume, die ihn stark beschäftigen: Eine Orkfrau zeigt ihm eine Welt, in der lauter Orks friedlich und glücklich leben. Mit der Zeit wächst in ihm die Überzeugung, dass diese Welt existiert und dass er sie für sich und seine Kameraden finden kann.

Im Laufe der Jagd stellt sich heraus, dass der seltsame Stern nur ein Teilstück eines größeren Artefaktes ist, welches unermessliche Macht besitzt wenn man es zusammensetzt. Die Orks beschließen, alle Stücke zu beschaffen um ein umso mächtigeres Faustpfand für die Verhandlung mit ihrer Königin zu haben.

Wird Stryker das Leben seiner Kameraden retten und sie aus dem untergehenden Maras-Dantien heim in die Welt der Orks führen können? Nicht nur die Königin ist jetzt ihre Feindin, auch zwei ziemlich verkommene Kopfgeldjäger tauchen auf einmal auf und entführen Coilla (Was sie, wie sie auf leidvolle Weise feststellen werden, besser gelassen hätten). Außerdem gibt es Ärger mit einem äußerst unangenehmen, bigotten menschlichen Sektenführer und seiner verzogenen Tochter. Aber die Orks begegnen auch Leuten, die ihnen weiterhelfen…

Das Buch

Stan Nicholls erzählt eine spannende, gewalttätige Geschichte von geradezu epischen Ausmaßen auf packende Art und Weise. Obwohl er sich durchaus in den Konventionen der klassischen Fantasy-Literatur bewegt, wirkt da nichts abgedroschen, nichts schal, nichts langweilig. Es gibt scheinbar ausweglose Situationen und Rettung in letzter Sekunde, überraschende Wendungen sowie aufschlussreiche Begegnungen und schließlich finden Stryke und seine Freunde auch noch heraus, warum Maras-Dantien dem Untergang geweiht ist.

Die Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet, glaubwürdig, mit allen ihren Licht- und Schattenseiten. Schon nach wenigen Seiten beginnt man Stryke und seine Leute zu lieben. Es geht um Ehre, Mut und Pflichtbewusstsein, aber auch um Verzweiflung, Frustration und Niederlagen, um Versuchung und Besessenheit – und immer um Kameradschaft und Zusammenhalt. Ein Buch, das man trotz seines Umfangs am liebsten in einem Zuge durchlesen möchte!

Stan Nicholls
Die Orks
Roman Piper 2007
800 Seiten
ISBN 978-3-492-28613-8

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